Montag, 10. August 2020
1989
1989 richtete die Schweiz zum zweiten Mal den ESC aus, Austragungsort war am 6. Mai Lausanne, zu den Gastgebern gehörte Lolita Morena, die zeitweise Lothar Matthäus‘ Ehefrau war. Zypern nahm wieder teil, sodass wieder 22 Lieder am Start waren.

Das deutsche Fernsehen verzichtete auf eine Radioauswahl, zudem hatte die Vorentscheidung nur noch 10 Teilnehmer, unter ihnen Andreas Martin. Sieger wurde das Lied „Flieger“, gesungen von Nino de Angelo. Dieser hatte 1983 großen Erfolg mit „Jenseits von Eden“, dem zu diesen Zeitpunkt meistverkauften deutschsprachigen Tonträger. Seinen Wettbewerbsbeitrag komponierte Dieter Bohlen; er belegte Platz 14.



Dieter Bohlen und der Texter Joachim Horn-Bernges waren doppelt beim ESC vertreten, denn sie schrieben auch den Beitrag Österreichs. „Nur ein Lied“, gesungen von Thomas Forstner, war deutlich erfolgreicher und belegte Platz 5.



Ein Flamenco mit italienischer Titelzeile – das kann nur der Beitrag Finnlands sein. Anneli Saristo belegte mit „La dolce vita“ Platz 7.



Der türkische Beitrag „Bana bana“, gesungen von Pan, belegte nur Platz 21, fiel aber durch den beeindruckenden Körpereinsatz des Dirigenten Timur Selçuk auf.



Gleich zwei Länder präsentierten sehr junge Interpreten: Nathalie Pâque aus Frankreich war erst 11 Jahre alt, Gili aus Israel 12 Jahre. Da auch in den Vorjahren, wie berichtet, Sänger teilnahmen, die definitiv noch schulpflichtig waren, und es deswegen immer mehr kritische Stimmen gab, beschloss die EBU vom Folgejahr an ein Mindestalter von 16 Jahren. Für die Statistik: Frankreich belegte Platz 8, Israel Platz 12.





Die Schweiz präsentierte ihren bislang einzigen Beitrag auf Rätoromanisch, und die gefürchteten 0 Punkte gingen diesmal nach Island; der Kommentator des deutschen Fernsehens, Thomas Gottschalk, befand, der Sänger Daníel Ágúst Haraldsson erinnere ihn an ein Fischstäbchen. Luxemburg setzte jetzt wieder auf einheimische Musikproduktionen, das Lied „Monsieur“, gesungen von der Gruppe Park Café, belegte Platz 20.

Überraschungssieger des Abends war erstmals Jugoslawien. Mit dem Sieg des Liedes „Rock me“, interpretiert von der Gruppe Riva, hatte wohl auch die Plattenfirma nicht gerechnet, es dauerte lange, bis die Tonträger auch außerhalb des Landes erhältlich waren, und sie stießen auf denkbar geringes Interesse. „Rock me“ gehört zu den kommerziell erfolglosesten ESC-Siegern.

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