Mittwoch, 26. August 2020
2020
Der ESC 2020 sollte am 12.5., 14.5. und 16.5. in Rotterdam stattfinden; wie im Vorjahr sollten 41 Länder teilnehmen, Montenegro und Ungarn sagten ab, stattdessen meldeten sich Bulgarien und die Ukraine zurück. Sie alle hatten ihre Beiträge schon ermittelt, als die Veranstaltung am 18.3., wie andere Großveranstaltungen weltweit auch, wegen der Corona-Pandemie abgesagt wurde.

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2019
Israel richtete den ESC am 14.5., 16.5. und 18.5.19 zum dritten Mal aus, allerdings nicht, wie ursprünglich geplant, in Jerusalem, sondern nach mehreren internationalen Protesten in Tel Aviv; Grund für diese Unstimmigkeiten war die umstrittene Hauptstadtfrage. Vier Gastgeber beiderlei Geschlechts, darunter das Model Bar Refaeli, führten durch den Abend. Bulgarien und die Ukraine zogen sich vom Wettbewerb zurück, sodass 41 Teilnehmer blieben. Bei letzterer lag es daran, dass der nationale Fernsehsender in Nachhinein Klauseln und Auftrittsverbote von den Künstlern verlangte, die weder für die Siegerinterpretin noch für ihre Mitbewerber akzeptabel waren.

In Deutschland entsprach die Auswahl des Beitrags der des Vorjahres, allerdings kam zusätzlich noch ein weiterer Titel hinzu, der außerhalb der Gremien ermittelt wurde, sodass sieben Lieder an der Vorentscheidung teilnahmen. Mit „Sister“, interpretiert von den S!sters, gewann eben dieses Lied; international belegte es Platz 25.



In den Halbfinalrunden scheiterte u.a. Portugal mit einer sowohl optisch als auch musikalisch sehr ausgefallenen Nummer.



Optisch und akustisch ausgefallen war auch das Lied aus Australien; Kate Miller-Heidke schien die „Zero Gravity“, die sie besang, also die nicht vorhandene Schwerkraft, zu untermauern und belegte Platz 9.



San Marino belegte im 1970er-Jahre-Disco-Sound mit Platz 19 sein bis dahin bestes Ergebnis, und das galt auch für Nordmazedonien auf Rang 7, das sich für eine Ballade entschied.

Für Russland sang wieder, wie bereits 2016, Sergey Lazarev, und mit „Scream“ belegte er wieder Platz 3.



Für die Schweiz sang Luca Hänni, der DSDS-Sieger von 2012. Mit „She got me“ erreichte er Rang 4, besser war das Land zuletzt 1993.



Für Italien startete wieder einmal der Sanremo-Sieger, und Mahmood war mit „Soldi“ auch beim ESC erfolgreich, er belegte Platz 2. In dem Lied erzählt er von seinem ägyptischen Vater, der die Familie verlassen hatte und sich dort nur meldete, wenn er Geld brauchte; aus diesem Grund sind auch einige arabische Wörter im Text enthalten.



Während der Wertungspause trat die US-amerikanische Sängerin Madonna auf, die allerdings mit der Akustik zu kämpfen hatte, sodass ihr Vortrag teilweise suboptimal wirkte. Zudem wurde kritisiert, dass durch die Lieder, die keinen Bezug zum ESC hatten, die Sendung unnötig in die Länge gezogen wurde.

Die Punktevergabe verlief wie in den Vorjahren, allerdings wurden bei die Zuschauerstimmen nicht mehr zahlenmäßig aufsteigend verlesen, sondern entsprechend der Platzierung nach der Juryabstimmung. Hierbei solidarisierte sich das Team aus Island mit Palästina und zeigte auch dessen Flagge, was zu einer Geldstrafe führte, weil das Land nicht zu den Teilnehmern zählte und die Flagge dementsprechend nicht präsentiert werden durfte. Zudem vertauschte Belarus seine Jurywertungen und verlas die zehn am schlechtesten Platzierten Länder; dieser Fehler wurde wenige Tage später korrigiert, er führte zu mehreren Veränderungen bei den Platzierungen; die Plätze 1 bis 4 waren hiervon allerdings nicht betroffen, sodass es dabei blieb, dass die Niederlande mit „Arcade“ gewannen. Der Sänger des Beitrags war Duncan Laurence, es war der insgesamt fünfte Sieg des Landes und der erste seit 1975.

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2018
Am 8.5., 10.5. und 12.5.18 fand der ESC erstmals in Portugal statt, Austragungsort war Lissabon. Nach drei Herren im Vorjahr führten diesmal vier Frauen durch den Abend. Russland kehrte zum Wettbewerb zurück, sodass sich die Anzahl der Teilnehmer wieder auf 43 erhöhte. Aus der Ausnahme, dass Australien einen Beitrag einreichen durfte, wurde mittlerweile die Regel.

An der Auswahl für die Lieder, die an der deutschen Vorentscheidung teilnahmen, waren ein nationales Panel und eine internationale Jury beteiligt; zudem gab es im Vorfeld ein Camp, bei dem sich Künstler und Autoren kennenlernen und Ideen austauschen konnten. An der Fernsehshow nahmen dann sechs Interpreten mit ihren Liedern teil, zusätzlich zu den bisherigen Gremien waren zu einem Drittel auch die Zuschauer per Televoting stimmberechtigt. Der Sieger, Michael Schulte, war auch Coautor seines Liedes „You let me walk alone“; beim ESC belegte dieses Platz 4.



In den Halbfinalrunden schieden mit Aserbaidschan, Griechenland, Rumänien und Russland gleich vier Länder aus, die die Qualifikation für das Finale in der Regel schaffen. Dort fielen u.a. eine Opernsängerin aus Estland und ein flirtendes schwules Pärchen aus Irland auf. Für Norwegen sang wieder Alexander Rybak, der den ESC 2009 gewonnen hatte. Frankreich thematisierte die Flüchtlingskrise, „Mercy“ handelt von einem Mädchen eben dieses Namens, das während der Überfahrt auf einem Schiff auf dem Mittelmeer geboren wurde. Das Duo ‚Madame Monsieur‘ kam auf Platz 13.



Der Tscheche Mikolas Josef hatte während der Proben einen Unfall, als ihm während seiner Darbietung ein Salto nicht glückte. Bei seinem Auftritt im Finale verlief alles reibungslos, und das Land erzielte mit Platz 6 sein bisher bestes Ergebnis.



Wieder gelang es einer Person, während eines Auftritts die Bühne zu betreten, diesmal wurde der britischen Sängerin SuRie das Mikrofon entrissen. Nach wenigen Sekunden war das Problem behoben, und im Gegensatz zu ihrem spanischen Kollegen Daniel Diges 2010 verzichtete SuRie darauf, ihr Lied noch einmal vorzuführen.

Österreich belegte Platz 3, Zypern sogar Platz 2, besser als je zuvor.





Dänemark erinnerte optisch an seine Wikinger-Vergangenheit, und Moldau unterhielt mit einem Verwechsel-Spiel, das stilistisch in eine Show der 1970er Jahre gepasst hätte, aber durchaus seine Wirkung erzielte. Der Gastgeber Portugal belegte den letzten Platz, immerhin nicht ganz ohne Punktegewinn.

Sieger wurde das Lied „Toy“ aus Israel. Die Interpretin Netta beantragte im Vorfeld, in das Lied einige elektronisch verfremdete Passagen ihrer eigenen Stimme einmischen zu dürfen, was ihr verwehrt wurde; nach wie vor galt, dass alle vokalen Elemente original dargeboten werden müssen. Dennoch konnte das Lied, das die ‚#metoo-Debatte‘ thematisierte, gewinnen, es war der vierte Sieg für Israel.

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2017
Am 9.5., 11.5. und 13.5.17 richtete die Ukraine den ESC zum zweiten Mal aus; wieder fand er in Kiew statt. Durch den Abend führten drei männliche Gastgeber; es war das erste Mal seit 1956, dass keine Frau bei der Moderation mitwirkte. Portugal und Rumänien kehrten zum Wettbewerb zurück, Bosnien-Herzegowina sagte aus finanziellen Gründen ab. Die Ukraine verweigerte der russischen Interpretin die Einreise, weil diese gegen nationale Visabestimmungen verstoßen hatte. Trotz mehrerer Vermittlungsversuche seitens der EBU beharrte die Ukraine auf ihrem Recht und Russland auf seiner Künstlerin, sodass auch dieses Land nicht am ESC teilnahm. Es blieb also bei 42 Teilnehmern.

Deutschland wählte nach den beiden Misserfolgen in den Vorjahren wieder ein neues Auswahlverfahren. Aus diversen Bewerbern wurden fünf Kandidaten ausgewählt, die sich in einer Fernsehshow vorstellten. Nach mehreren Abstimmungsrunden blieben zwei Künstler übrig, die beide zwei vorher ausgewählte Lieder vorstellen. Das Publikum entschied, welche Person und welcher Beitrag das Finale erreichen sollte; es wählte die beiden Titel, die von Levina gesungen wurden, und daraus dann „Perfect life“ als Sieger der Vorentscheidung. Beim ESC wurde Levina Vorletzte, es ist fraglich, ob das die Verbesserung war, die der ARD vorschwebte.



Im Finale trat das SunStroke Project nach 2010 zum zweiten Mal für Moldau an, wieder begeisterte der ‚Epic Sax Man‘ die Zuschauer, und diesmal würdigten sie dies auch mit Stimmen: „Hey Mamma“ belegte Platz 3, das war das bis dahin beste Ergebnis des Landes.



Auch Bulgarien hatte zuvor nie besser abgeschnitten: Kristian Kostov kam mit „Beautiful Mess“ auf Rang 2.



Ein besseres Ergebnis hatte sich hingegen Italien erhofft, schließlich lag „Occidentali’s Karma“, gesungen von Francesco Gabbani, bei den Buchmachern wochenlang in Führung – daran gemessen war Platz 6 sicher eine Enttäuschung.



Sehr zeitgemäße Klänge kamen aus Belgien, und so schaffte Blanche trotz ihrer etwas spröden und zurückgenommenen Art mit „City Lights“ Platz 4.



Gejodelte Töne erwartet man, wenn überhaupt, aus den Alpenländern; 2017 kamen allerdings Ilinca und Alex Florea aus Rumänien mit „Yodel it!“ auf Platz 7.



Zu einem Zwischenfall kam es während des Pausenprogramms: Beim Auftritt der Vorjahressiegerin Jamala stürmte ein Mann die Bühne und entblößte sein Hinterteil; er wurde schnell von Ordnern überwältigt. Wie sich herausstellte, war der Täter nicht, wie man aufgrund seiner Kleidung denken könnte, Australier, sondern ein ukrainischer Landsmann.



Das Wertungsverfahren verlief wie im Vorjahr; klarer Sieger wurde Portugal. Das Land nahm seit 1964 am ESC teil, hatte aber bis dahin noch nie einen der ersten fünf Plätze belegt. Der Sänger Salvador Sobral war herzkrank, sodass er während der Proben von seiner Schwester, die auch Autorin des Liedes „Amar pelos dois“ war, vertreten wurde. Während des Wettbewerb fiel er durch seine fast linkisch wirkende Gestik und Mimik auf. Bei der Wiederholung des Liedes am Ende des Abends traten die beiden Geschwister gemeinsam auf; bei seiner Ansprache zuvor machte sich Salvador Sobral nicht nur Freunde, als er die Wegwerfmusik kritisierte und Musik propagierte, die Bedeutung und Gefühl hat.

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2016
Zum sechsten Mal fand der ESC am 10.5., 12.5. und 14.5.16 in Schweden statt, und zum dritten Mal war Stockholm der Austragungsort. Gastgeberin war, wie 2013, Petra Mede, in diesem Jahr stand ihr der Vorjahressieger Måns Zelmerlöw zur Seite. Portugal fehlte aus finanziellen Gründen, Rumänien hatte zwar schon ein Teilnehmerlied ermittelt, durfte aber wegen nicht gezahlter Beiträge nicht teilnehmen. Die Ukraine, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien und Kroatien kehrten zum Wettbewerb zurück, sodass 42 Beiträge am Start waren, darunter auch Australien, das wieder eingeladen wurde.

Deutschland nominierte zunächst Xavier Naidoo direkt, dieser sollte in einer Fernsehshow mehrere Lieder zur Auswahl vortragen. Allerdings bildete sich wegen der ideologischen Ansichten des Sängers schnell Widerstand von verschiedenen Seiten, sodass die ARD von diesem Vorhaben zurückwich und eine reguläre Vorentscheidung mit 10 Teilnehmern ausrichtete. Aus dieser ging Jamie-Lee Kriewitz mit dem Lied „Ghost“ als Siegerin hervor; sie hatte im Vorjahr bereits die Casting-Show ‚The voice of Germany‘ gewonnen. Beim ESC belegte sie den 26. und damit letzten Platz.



Der kommerziell erfolgreichste Beitrag kam in diesem Jahr aus dem Gastgeberland Schweden; Frans kam mit „If I were sorry“ im Wettbewerb auf Platz 5.



Österreich nahm mit einem Lied in französischer Sprache teil: Zoë belegte mit „Loin d‘ici“ Platz 13.



Australien sollte eigentlich nur ausnahmsweise beim Jubiläumswettbewerb 2015 antreten; wegen positiver Rückmeldungen wurde aber beschlossen, dass die jeweiligen Ausrichter das Land auch weiterhin einladen konnten, was 2016 der Fall war; allerdings musste sich der Beitrag jetzt im Halbfinale qualifizieren. Dies war für Dani Im und ihr Lied „Sound of silence“ kein Problem, im Finale erreichte sie Platz 2.



Spektakuläre optische Effekte wurden in den russischen Beitrag „You are the only one“ eingebaut, durch die der Sänger Sergey Lazarev zeitweise scheinbar schwerelos wirkte. Das Lied belegte Platz3.



Für einen Zwischenfall sorgte die armenische Teilnehmerin Iveta Mukuchyan, als sie während der Wertungen die Flagge des zwischen Armenien und Aserbaidschan umstrittenen Gebietes Bergkarabach in die Kameras hielt. Sie wurde von der EBU verwarnt, und diese stellte noch einmal klar, dass nur die offiziellen Flaggen der teilnehmenden Länder erlaubt waren; Ausnahmen galten in Einzelfällen bei multinationalen Symbolen, wie bei der Europaflagge oder der Regenbogenflagge, die sowohl bei der internationalen Friedensbewegung als auch bei der LGTBQ-Bewegung als Erkennungszeichen gilt.

Der Franzose Amir wurde mit seinem teils auf Englisch, teils auf Französisch gesungenen Beitrag „J‘ai cherché“ im Vorfeld als einer der Favoriten gehandelt; am Ende reichte es für Platz 6.



In der Wertungspause stellte der US-amerikanische Sänger Justin Timberlake einige Lieder, darunter „Can‘t stop the feeling“, vor, zudem stelten die beiden Moderatoren in „Love, love, peace, peace“ vor, wie ein perfekter ESC-Beitrag aussehen muss; unterstützt wurden sie von den ehemaligen Siegern Alexander Rybak und Lordi, zudem gab es viele optische Anspielungen auf frühere Teilnehmer.



Die Wertungsvergabe wurde geändert: Zunächst vergaben die Sprecher der einzelnen Ländern nur die Stimmen der Jurys, wobei nur die 12 Punkte verlesen und der Rest eingeblendet wurde. Danach wurden die Wertungen der Zuschauer verlesen, aber nicht nach Ländern sortiert, sondern kumuliert und in aufsteigender Punktzahl. Es wurden also 2x12 Punkte von jedem Land vergeben. Es stellten sich teilweise große Unterschiede heraus: Polen z.B. bekam nur 7 Punkte von den Jurys, aber 222 Punkte von den Zuschauern. Der Siegertitel „1944“, für die Ukraine von Jamala gesungen, konnte keine der beiden Einzelabstimmungen gewinnen, erhielt aber insgesamt die meisten Stimmen. Das Lied spielte auf die Vertreibung der Krimtataren durch das Sowjet-Regime an und wurde dementsprechend teilweise auf Krimtatarisch gesungen. Kommerziell spielte das Lied keine Rolle.

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2015
Der 60. ESC fand am 19.5., 21.5. und 23.5.15 Österreich statt, das damit, wie auch der Austragungsort Wien, zum zweiten Mal Gastgeber war. Durch den Abend führten drei Moderatorinnen, darunter Arabella Kiesbauer; die Ukraine nahm nicht teil, dafür kamen Serbien, Tschechien und Zypern zurück. Außerdem wurde anlässlich des Jubiläums auch Australien eingeladen, einen Beitrag einzureichen; dieser musste sich nicht in den Halbfinalrunden qualifizieren, sondern startete direkt im Finale, das somit 27 Lieder umfasste, mehr als je zuvor. Insgesamt nahmen 40 Länder am ESC teil.

Deutschland wandte für seine Vorentscheidung wieder das Verfahren des Vorjahres an, wieder gab es ein Clubkonzert und sieben gesetzte Teilnehmer, darunter Alexa Feser. Im Finale standen sich die Clubkonzert-Siegerin Ann Sophie und Andreas Kümmert gegenüber, letzterer gewann die Abstimmung mit seinem Lied „Heart of stone“. Zu aller Überraschung verkündete Andreas Kümmert allerdings direkt nach seinem Sieg, dass er sich nicht imstande sehe, beim ESC anzutreten, und gab ihn an Ann Sophie weiter, was diese auch annahm. So vertrat sie Deutschland mit dem Lied „Black Smoke“; beim ESC blieb sie ohne Punkte und belegte somit Platz 27. Hierzu möchte ich mir eine Anmerkung erlauben; Die Situation, dass der Sieger die Teilnahme absagt, kam für alle Beteiligten sehr plötzlich, und ich respektiere die Entscheidung, dass stattdessen das zweitplatzierte Lied nominiert wurde. Allerdings möchte ich zu bedenken geben, dass nicht der Interpret, sondern das Lied die Vorentscheidung gewonnen hat und es somit folgerichtiger gewesen wäre, es von einem anderen Interpreten vortragen zu lassen. Aber: Das ist Schnee von gestern, es ist, wie es ist.



Nicht nur Deutschland, auch Österreich beendete den Abend ohne einen einzigen Punkt. Es war erst das dritte Mal seit Einführung der 12-Punkte-Regel 1975, dass zwei Lieder 0 Punkte bekamen, und das erste Mal überhaupt, dass dies den Gastgeber betraf. Armenien reichte das Lied „Don‘t deny“ ein, das als Mahnung, den Völkermord 100 Jahre zuvor zu leugnen, verstanden werden konnte. Aus diesem Grund und um Konflikte mit der (nicht teilnehmenden) Türkei zu vermeiden, wurde der Titel in „Face the shadow“ geändert, der Text (und somit auch die Wörter ‚Don‘t deny‘) blieb allerdings gleich.

Gleich zwei Länder traten mit Liedern namens „Warrior“ an, allerdings erreichte nur Georgien das Finale, Malta schied im Halbfinale aus. Für Finnland trat die Gruppe Pertti Kurikan Nimipäivät an, deren Mitglieder alle unter dem Down-Syndrom litten. Ihr Lied „Aina mun pitää“ war mit 1:27 Minuten das kürzeste der ESC-Geschichte; allerdings traf es offenbar den Geschmack der Juroren und der Zuschauer nicht, es belegte im ersten Halbfinale den letzten Platz.

Israel und Serbien reichten jeweils zum ersten Mal einen komplett auf Englisch gesungenen Beitrag ein; sie belegten die Plätze 9 und 10.





Der Belgier Loïc Nottet war nicht nur Interpret, sondern auch Autor und Choreograph des Liedes „Rhythm inside“. Er belegte Platz 4.



Das Publikum vergab die meisten Punkte an den italienischen Beitrag; insgesamt belegte „Grande amore“, gesungen von Il Volo, Platz 3.



Für Lettland kam Aminata mit dem selbstgeschriebenen Lied „Love injected“ auf Rang 6.



Wegen der bereits in früheren Einträgen erwähnten Unstimmigkeiten insbesondere bei den Beiträgen Aserbaidschans gab es von 2015 an die Regel, dass die Juroren jedes Landes im Vorfeld bekanntgegeben werden mussten, zudem durften sie dem Gremium nur zweimal in Folge angehören. Ob es eine Folge dieser Regeländerung war oder an der Qualität des Liedes lag, vermag ich nicht zu sagen, jedenfalls erreichte Aserbaidschan mit Platz 12 sein bis dahin schlechtestes Ergebnis. Der Sieg ging zum sechsten Mal an den schwedischen Beitrag; Måns Zelmerlöw wurde bei seinem Lied „Heroes“ virtuell von Strichmännchen unterstützt.

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2014
Zum dritten Mal in Dänemark und auch zum dritten Mal in Kopenhagen fand der ESC am 6.5., 8.5. und 10.5.14 statt. Durch das Programm führten wieder drei Moderatoren, diesmal zwei Männer und eine Frau: Portugal und Polen nahmen wieder teil, dafür fehlten Bulgarien, Serbien, Kroatien und Zypern, so blieben 37 Beiträge übrig; weniger hatte es zuletzt 2004 gegeben.

Deutschland änderte wieder einmal das Konzept seiner Vorentscheidung: Zunächst wurde ein ‚Clubkonzert‘ mit 10 vorher eher unbekannten Kandidaten durchgeführt, dessen Sieger bei der eigentlichen Show gegen 7 Mitbewerber, darunter Unheilig und Santiano, antrat. In dieser trugen in einer ersten Runde alle Künstler je ein Lied vor; die vier Künstler mit den meisten Stimmen (nur das Publikum durfte per Televoting abstimmen) präsentierten in Runde zwei ein weiteres Lied. Das Publikum konnte in einer weiteren Abstimmung nicht nur darüber entscheiden, welche zwei Interpreten ins Finale kamen, sondern auch mit welchem Lied. Der Siegertitel „Is it right?“ wurde von den Clubkonzert-Gewinnern Elaiza gesungen, die beim ESC Platz 18 belegten.



Mehrere Länder benutzten optische Effekte, so arbeitete der rumänische Beitrag mit Hologrammen, die Griechen sprangen auf Trampolin, und die Teilnehmerinnen Polens zeigten, wie man Butter stampft und Wäsche wäscht.







Den größten kommerziellen Erfolg und mit Platz 2 das beste Ergebnis des Landes seit 1975 hatte der Beitrag aus den Niederlanden: The Common Linnets sangen „Calm after the storm“.



Wie schon 2011 traten gleich zwei Länder mit Zwillingspaaren an; Frankreich belegte mit TWIN TWIN erstmals in seiner ESC-Geschichte den letzten Platz, für Russland schnitten die Tolmachevy-Schwestern mit Platz 7 wesentlich besser ab, dennoch wurden sie Opfer zahlreicher Buh-Rufe, was allerdings keine Kritik an ihrem Lied „Shine“ war, sondern sich gegen den russischen Machthaber Putin richtete.



Nach Lys Assia, Corry Brokken (beide 1956 – 1958) und Udo Jürgens (1964 – 1966) war Valentina Monetta die vierte Interpretin, die ihr Land, in diesem Fall San Marino, dreimal in Folge vertrat, und diesmal erreichte sie erstmals das Finale. Dort erreichte sie mit „Maybe“ Platz 24; der Komponist des Liedes, Ralph Siegel, begleitete sie am Flügel.



Den bis dahin einzigen Sieg hatte Österreich 1966 erzielt, 2014 war es wieder soweit. Zu den Autoren des im James-Bond-Stil gehaltenen Liedes „Rise like a phoenix“ gehörte Rolf Zuckowskis Sohn Ali, gesungen wurde es von Conchita Wurst.

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2013
Zum fünften Mal fand der ESC am 14.5., 16.5. und 18.5.13 in Schweden statt, Austragungsort war zum zweiten Mal Malmö. Erstmals seit 1995 wurde der Wettbewerb von einer einzigen Person moderiert, in diesem Jahr von Petra Mede. Armenien war wieder dabei, dafür fehlten aus unterschiedlichen Gründen Bosnien-Herzegowina, Portugal, die Slowakei und die Türkei; insbesondere die letztere fühlte sich durch die Spielregeln (vor allem durch die Jurywertungen) benachteiligt. So blieben 39 Teilnehmer.

Zu Beginn der Finalshow führte ein großer Chor das Lied „We write the story“ auf; es wurde von den beiden männlichen ABBA-Mitgliedern Björn Ulvaeus und Benny Andersson sowie dem DJ Avicii geschrieben.

In Deutschland beendete die ARD die Zusammenarbeit mit Pro7 und richtete eine Vorentscheidung mit 12 Liedern aus; zu den Interpreten gehörten die Söhne Mannheims (ohne Xavier Naidoo) und LaBrassBanda. Die Abstimmung erfolgte jeweils zu einem Drittel über diverse Radiosender per Internet, die Fernsehzuschauer per Televoting und eine fünfköpfige Jury. Am Ende siegte der Titel „Glorious“, der vom Projekt Cascada interpretiert wurde, eigentlich einem Trio, von dem aber nur die Sängerin Natalie Horler auf der Bühne stand. Cascada hatten international Erfolge wie „Evacuate the dancefloor“, beim ESC belegten sie Platz 21.



Gleich doppelt sorgte der Schweizer Beitrag für Aufsehen; das Lied „You and me“ wurde von der Heilsarmee gesungen, die aber wegen des religiösen Bezugs nicht unter diesem Namen und auch nicht, wie geplant, in ihren Uniformen auftreten durfte. So benannte sich die Gruppe in ‚Takasa‘ um, was das Wort für ‚reinigen‘ auf Suaheli ist. Gerüchte, es handle sich um eine Abkürzung für ‚The act known as Salvation Army‘ wies die Band von sich. Zu Takasa gehörte Emil Ramsauer, der zum Zeitpunkt des ESC 95 Jahre alt und damit der bis dahin älteste ESC-Teilnehmer war. Er war 2018 auch der erste von ihnen, der seinen 100. Geburtstag feiern konnte. Trotz all dieser Aufregungen schaffte die Schweiz die Qualifikation für das Finale nicht. Das Vereinigte Königreich setzte wieder auf eine Künstlerin, die den Zenit ihrer Karriere längst überschritten hatte, auch wenn sie altersmäßig noch weit von Emil Ramsauer entfernt war: Bonnie Tyler war insbesondere in den späten 1970ern und frühen 1980ern mit Liedern wie „It‘s a heartache“ oder „Total eclipse of the heart“ erfolgreich. Etwa 30 Jahre später belegte sie mit „Believe in me“ Platz 19 beim ESC.

Alle vier Nachfolgerepubliken Jugoslawiens schieden im Halbfinale aus; hier sorgte der Beitrag Nordmazedoniens im Vorfeld für Aufsehen. Zwischen dem Land und seinem Nachbarn Griechenland gab es seit jeher Unstimmigkeiten wegen des Ländernamens, Griechenland fühlte sich zudem durch den ursprünglich geplanten Titel „Imperija“ provoziert. Nordmazedonien (damals noch ‚FYROM‘) gab bei und trat stattdessen mit „Pred da se radzeni“ an; über Platz 16 im zweiten Halbfinale kam es nicht hinaus. Teile des Liedes wurden in Romani vorgetragen.



Vielleicht wollte Griechenland deswegen eine Runde ausgeben? Der Beitrag, mit dem das Land im Finale Platz 6 belegte, hieß zumindest „Alcohol is free“.



Aserbaidschan geriet wieder wegen Gerüchten über gekaufte Stimmen ins Gerede, überzeugte aber auch durch seine Bühnenshow, und so belegte Farid Mammadov mit „Hold me“ Platz 2.



Die Niederlande hatten seit 2005 regelmäßig das Finale nicht erreicht; 2013 änderte man das Auswahlverfahren und nominierte etablierte Künstler direkt – mit Erfolg: Anouk kam mit „Birds“ auf Rang 9.



What the f***? Zuschauer und -hörer kamen beim rumänischen Beitrag gleich mehrfach ins Grübeln, sowohl was die Stimmlage als auch was die Kleidung anging. Cezars „It‘s my life“ kam auf Platz 13, hohe Wertungen gab es aus Moldau (traditionelle Nachbarschaftshilfe) und aus Griechenland (war das der kostenlose Alkohol?).



Erstmals wurde die Reihenfolge der Auftritte nicht ausgelost, sondern nur, in welcher Hälfte des jeweiligen Wettbewerbs die Lieder antraten; die genaue Startnummer wurde, wie es heißt, nach ‚dramaturgischen Aspekten‘ vergeben. Ziel dieser Neuerung war es, zu verhindern, dass ähnliche Beiträge direkt hintereinander starteten.

Bei der Abstimmung waren sich die Zuschauer und die Juroren einig, der Sieg ging zum dritten Mal nach Dänemark. Emmelie de Forest sang „Only teardrops“. Sie hatte es nicht weit: ihre Heimatstadt Kopenhagen und der Austragungsort Malmö sind nur durch eine Brücke voneinander getrennt.

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Dienstag, 25. August 2020
2012
Aserbaidschan richtete den ESC am 22.5., 24.5. und 26.5.12 in Baku aus. Traditionell beginnen die Veranstaltungen um 21 Uhr mitteleuropäischer (Sommer-)Zeit, also in London um 20 Uhr und in Athen um 22 Uhr. Dies war auch in diesem Jahr nicht anders, wegen der Zeitverschiebung bedeutete es aber, dass die einzelnen Shows erst um Mitternacht Ortszeit anfingen. Montenegro kam in den Wettbewerb zurück, dafür pausierte Polen. Armenien hatte sich ursprünglich angemeldet, zog dies aber einige Monate vor dem ESC wegen Sicherheitsbedenken zurück, sodass noch 42 Teilnehmer blieben. Zu den drei Gastgebern gehörte Eldar ‚Ell‘ Qasımov, der im Vorjahr gemeinsam mit Nikki den Siegertitel interpretiert hatte.

Deutschland wählte sein Teilnehmerlied nach dem gleichen Verfahren wie 2010 aus, wieder traten 20 vorher eher unbekannte Künstler an, aus denen in mehreren Shows zwei ausgewählt wurden, die dann in der Finalrunde je drei Lieder präsentierten. Roman Lob konnte die Vorentscheidung mit „Standing still“ für sich entscheiden, beim ESC kam das Lied auf den 8. Platz.



Österreich trat mit einem Hip-Hop-Lied im mühlviertlerischen Dialekt an, der ursprüngliche Text des Liedes aus San Marino musste geändert werden, weil er den Markennamen ‚Facebook‘ enthielt, und die niederländische Interpretin trat, warum auch immer, mit einem Indianer-Kopfschmuck auf, sie alle scheiterten in den Halbfinalrunden.

Erstmals seit 2003 nahmen wieder 26 Lieder am Finale teil, nämlich die „Big Five“, der Gastgeber und jeweils die zehn Höchstplatzierten aus den Halbfinalrunden. Jelisaweta Sarbatowa, die als Mitglied der Buranowskiye Babuschki Russland vertrat, stellte mit 86 Jahren einen neuen Altersrekord auf; die sechs Damen sangen auf Udmurtisch und buken Plätzchen; die Zuschauer und die Juroren belohnten dies mit Platz 2.



Die Kosovarin Rona Nishliu vertrat Albanien auf Albanisch, übersetzte den Titel aber ins Lateinische, und so hieß ihr Lied „Suus“ („Persönlich“). Sie überraschte mit eher landestypischen Klängen, einer ungewöhnlichen Frisur und durch ihre Vokalartistik – Platz 5 war das bis dahin beste Ergebnis des Landes.



Željko Joksimović war der Dritte in der Geschichte des ESC, der als Interpret auftrat, nachdem er den Wettbewerb schon einmal moderiert hatte. Für Serbien belegte er mit „Nije ljubav stvar“ Platz 3.



Engelbert Humperdinck, der aus rechtlichen Gründen in Deutschland ohne Nachnamen auftreten musste, hatte bereits 1967 mit „Release me“ einen großen Hit. Mittlerweile war er 76 Jahre alt und vertrat mit „Love will set you free“ das Vereinigte Königreich. Das Lied belegte den 25. und damit vorletzten Platz.



Moldau bot mit der Textzeile „Durch diese Trompete wirst du mein Mädchen“ zum Nachdenken an, und für Irland sangen, wie im Vorjahr, die Jedward-Zwillinge.

Klarer Gewinner des Abends war der Beitrag „Euphoria“, mit dem die Sängerin Loreen den Sieg zum fünften Mal nach Schweden holte. Sie hatte auch großen kommerziellen Erfolg, in Deutschland beispielsweise erreichte das Lied Platz 1 der Verkaufslisten; der letzte nicht-deutsche Siegertitel, der das davor geschafft hatte, war „Waterloo“. Im Gegensatz zu ABBA konnte Loreen aber an diesen Erfolg nicht anknüpfen.

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Montag, 24. August 2020
2011
Am 10., 12. und 14. Mai 2011 fand der ESC zum dritten Mal in Deutschland statt, Austragungsort war erstmals Düsseldorf. Moderatoren waren Anke Engelke, Judith Rakers und Stefan Raab, der schon mehrmals als Interpret, Dirigent, Autor und Begleitmusiker am ESC teilgenommen hatte. Österreich, Ungarn, San Marino und erstmals seit 1997 auch Italien nahmen wieder teil, sodass 43 Länder am Start waren. Durch die Rückkehr Italiens waren jetzt fünf Länder automatisch für das Finale qualifiziert. Da Deutschland sowohl als „Big-Five-Land“ als auch als Gastgeber für die Endrunde gesetzt war, änderte sich in diesem Jahr die Anzahl der Teilnehmer am Finale noch nicht.

Die Vorjahressiegerin Lena Meyer-Landrut wurde auch für den Wettbewerb 2011 fest gesetzt und stellte in insgesamt drei Fernsehsendungen zwölf Lieder zur Auswahl, aus denen das Publikum „Taken by a stranger“ auswählte. Beim internationalen ESC belegte sie Platz 10.



Ein tragischer Vorfall ereignete sich in Island: Der Sänger Sigurjón ‚Sjonni‘ Brink verstarb wenige Wochen vor der nationalen Vorentscheidung, er wollte ein selbstgeschriebenes Lied singen; daraufhin bildete sich eine Gruppe, die sich ‚Sjonni‘s Friends‘ nannte, und diesen Beitrag übernahm. Sie gewannen in Island und belegten mit „Coming home“ Platz 20 beim ESC.



Erstmals waren unter den Interpreten gleich zwei Zwillingspaare, aber während die Twiins aus der Slowakei im Halbfinale scheiterten, erreichten ihre irischen Kollegen Jedward mit „Lipstick“ das Finale und kamen dort auf Platz 8; das war das beste Ergebnis des Landes seit 2000.



Italien meldete sich mit dem jazzlastigen „Madness of love“, gesungen und geschrieben von Raphael Gualazzi, auf dem zweiten Platz eindrucksvoll zurück.



Gleich dahinter landete Schweden; Eric Saade sang „Popular“.



Die Türkei erreichte erstmals das Finale nicht, ebenso wenig wie die Siegerin des ESC 1998, Dana International, die wieder für Israel antrat. Die Gruppe Blue, die Anfang der 2000er mit Liedern wie „Sorry seems to be the hardest word“ erfolgreich war, trat für das Vereinigte Königreich an und belegte mit „I can“ Platz 11.



Für einen besonderen Effekt sorgte die Ukraine, als der Beitrag „Angel“, gesungen von Mika Newton, von einer Sandmalerin unterstützt wurde. Es soll Zuschauer geben, die von den optischen Eindrücken so sehr abgelenkt waren, dass ihnen das Lied selbst kaum auffiel; geschadet hat dies wohl nicht, Platz 4 war das Ergebnis.



Frankreich überraschte mit einem komplett auf Korsisch gesungenen Beitrag; der Tenor Amaury Vassili konnte mit Platz 15 die hohen Erwartungen einiger Beobacher aber nicht erfüllen.



Den Sieg des ESC 2011 konnte Aserbaidschan erringen; dies hatte einen etwas bitteren Beigeschmack, weil das Land schon mehrfach bei dem (teilweise sogar erfolgreichen) Versuch aufgefallen war, sich Stimmen zu kaufen. Ich möchte darauf nicht weiter eingehen, sondern für die Statistik anmerken, dass Ell & Nikki das erste gemischte Duo waren, das den ESC gewann; 1963 zähle ich nicht mit, weil damals nur der weibliche Part gesungen hat. Der Siegertitel hieß „Running scared“.

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Sonntag, 23. August 2020
2010
Der ESC 2010 fand zum dritten Mal in Norwegen statt, Austragungsort war am 25., 27. und 29, Mai zum zweiten Mal Oslo. Erstmals seit 1999 führten wieder drei Moderatoren durch den Abend. Georgien kehrte nach einjähriger Pause zum ESC zurück, dafür gab es gleich vier Absagen: Andorra verzichtete, nachdem es bei sechs Teilnahmen nie das Finale erreicht hatte, auch Ungarn, Montenegro und Tschechien waren in den Vorjahren wenig erfolgreich, zudem spielten auch finanzielle Aspekte eine Rolle. So nahmen 2010 nur 39 Länder am ESC teil.

Deutschland führte ein völlig neues System bei seiner Vorentscheidung ein: In Zusammenarbeit mit dem Privatsender Pro7 wurden in acht Einzelsendungen zunächst 20 zuvor unbekannte Interpreten vorgestellt, von denen nach jeder Sendung einige hinausgewählt wurden, sodass bei der Finalrunde noch zwei Teilnehmer übrig blieben. Diese stellten jeweils drei Lieder vor, die auch bei beiden identisch sein konnten. Am Ende entschied sich das Publikum für Lena Meyer-Landrut, die sich auch schon in den Vorrunden als Favoritin herauskristallisiert hatte. Ihr Lied „Satellite“ konnte auch den internationalen Wettbewerb gewinnen.



Erstmals schied ein schwedischer Beitrag im Halbfinale aus, und auch das von Pierre Kartner (‚Vader Abraham‘) geschriebene niederländische Lied konnte sich nicht für das Finale qualifizieren.
In einigen Internetforen wurde zuvor „Horehronie“ aus der Slowakei hoch gewettet, landete aber im ersten Halbfinale an vorletzter Stelle.



Die Siegerin des ESC 1993, Niamh Kavanagh, erreichte im Finale nur Platz 23, nur einen Platz besser schnitt Moldau ab. Diese wurde von der Gruppe Sunstroke Project vertreten, bei der insbesondere der Saxofonist (‚Epic Sax Guy‘) für Aufsehen sorgte. Die Interpreten traten 2017 wesentlich erfolgreicher noch einmal für ihr Land an.

Während des spanischen Beitrags kam es zu einem Zwischenfall: Dem ‚Flitzer‘ Jimmy Jump gelang es, auf die Bühne zu gelangen und sich in die Choreographie einzureihen. Erst nach etwa 20 Sekunden wurde er von Sicherheitskräften entfernt; Spanien durfte sein Lied am Ende des Starterfeldes noch einmal, diesmal ungestört, aufführen.



Die Rockband maNga aus der Türkei konnte mit „We could be the same“ Platz 2 erringen.



Der französische Beitrag „Allez, Olla, Olé“, gesungen von Jessy Matador, kam später im Jahr noch als offizieller Fußball-WM-Song der dortigen Nationalmannschaft zu Ehren. Beim ESC belegte er Platz 12.



Für Rumänien kamen Paula Seling & Ovi mit „Playing with fire“ auf Platz 3.



Seit 2004 wählen die vor Ort anwesenden Pressevertreter, Künstler und Komponisten beim sogenannten ‚Marcel-Bezençon-Preis“ vor dem eigentlichen Contest jeweils ihren Favoriten. 2010 waren sich alle drei Gruppen einig und entschieden sich für den israelischen Beitrag „Milim“, gesungen von Harel Skaat.



Um die Pause während der Wertungen zu überbrücken, führte das norwegische Duo Madcon eine verlängerte Version des Liedes „Glow“ auf, zu dem zahlreiche Tänzer in vielen verschiedenen europäischen Ländern einen Flashmob darboten.



Im Gegensatz zum Vorjahr waren die Jurys auch in den Halbfinalrunden voll stimmberechtigt, sodass sich dort jeweils die ersten 10 für das Finale qualifizierten; bei der Abstimmung im Finale gab es keine Änderung. Wieder waren sich die Zuschauer und die Juroren beim Sieger einig, große Unterschiede gab es wieder beim Lied aus Frankreich, das diesmal vom Televoting auf Platz 8, von den Jurys aber nur auf Platz 22 gewählt wurde.

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2009
Russland trug den ESC 2009 am 12., 14. und 16. Mai 2009 in Moskau aus. Die Slowakei nahm erstmals seit 2008 wieder am ESC teil, San Marino hingegen verzichtete. Auch das ursprünglich angemeldete Georgien blieb dem Wettbewerb fern, es gab Unstimmigkeiten wegen des Liedertitels „I don‘t wanna put in“, der als Kritik am russischen Machthaber Putin verstanden wurde. Georgien war nicht bereit, den Text zu ändern und verzichtete stattdessen auf die Teilnahme, sodass in diesem Jahr 42 Lieder am Start waren.

Erstmals wurden die Halbfinalrunden und das Finale von verschiedenen Gastgeberpaaren moderiert; beim Finale gehörte Alsou, die 2000 für ihr Land gesungen hatte, dazu.

Deutschland verzichtete auf eine Vorentscheidung und nominierte das Lied „Miss Kiss Kiss Bang“ direkt, das von dem Duo ‚Alex Swings Oscar Sings!‘ vorgetragen wurde. Dieses bestand aus dem Produzenten Alex Christensen, der durch Projekte wie U 96 erfolgreich war, und dem vorher überwiegend als Musicaldarsteller tätigen Oscar Loya. Beim ESC wurden sie von der Burlesque-Tänzerin Dita von Teese unterstützt; sie belegten Platz 20.




Lettland präsentierte seinen Beitrag auf Russisch, Teile des Textes des israelischen Liedes waren auf Arabisch, und für Schweden sang Malena Ernman, deren Tochter Greta Thunberg später als Klima-Aktivistin weltbekannt wurde. Die Autoren des Titels aus Montenegro waren Ralph Siegel und Bernd Meinunger. Tschechien war das zweite Land seit Einführung der Halbfinalrunden, das diese mit 0 Punkten beendete.

Den britischen Beitrag „It‘s my time“, gesungen von Jade, schrieb der als Musicalkomponist bekannte Andrew Lloyd Webber, der das Lied auch am Klavier begleitete. Die Sängerin wurde später Mitglied der Sugababes; beim ESC belegte sie Platz 5.



Auch Frankreich setzte auf einen bekannten Namen: Die erfolgreiche Chanson-Sängerin Patricia Kaas sang „Et s‘il fallait le faire“ und landete auf Platz 8.



Sakis Rouvas war nach der Israelitin Yardena Arazi der Zweite, der als Interpret antrat, nachdem er den ESC schon einmal moderiert hatte. Für Griechenland belegte er mit „This is our night“ Platz 7.



Die Tanzflächen wurden auch durch den türkischen Beitrag gefüllt: Hadise kam mit „Düm tek tek“ auf Platz 4.



Zwei Plätze davor, also auf Rang 2, landete das Lied aus Island: Yohanna fragte „Is it true?“



Das Wertungssystem wurde wieder modfiziert: In den Halbfinalrunden stimmten wie gehabt die Zuschauer der teilnehmenden Ländern und ausgewählte direkt für das Finale Gesetzte über die ersten neun Qualifikanten für das Finale ab, der zehnte Platz wurde wieder durch die Jurys vergeben. Im Finale galt jetzt aber eine Abstimmung, bei der die Televoting-Stimmen und die Jurywertungen je hälftig zählten. Auf diese Weise hoffte man, die oft bemängelten Nachbarschafts- und Diasporawertungen einzudämmen. Im Finale waren wieder alle teilnehmenden Länder abstimmungsberechtigt; sowohl die Zuschauer als auch die Juroren entschieden sich mit großem Vorsprung für das Lied „Fairytale“, das für Norwegen vom in Belarus geborenen Alexander Rybak gesungen, gegeigt und geschrieben wurde. Eine Diskrepanz zwischen den Abstimmungen sah man beispielsweise beim französischen Beitrag, der von den Zuschauern nur auf Platz 17, von den Jurys aber auf Platz 4 gesetzt wurde.

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2008
Serbien richtete den ESC 2008 in Belgrad aus. Wegen der immer mehr wachsenden Anzahl von Teilnehmern und des damit verbunden immer größer werdenden Halbfinales wurde ein neues System eingeführt: Nur noch die "Big Four" und das Gastgeberland waren direkt für das Finale qualifiziert, alle anderen Länder mussten eine von nunmehr zwei Halbfinalrunden durchlaufen, aus denen jeweils zehn Lieder für die Endrunde kamen, die somit 25 statt bisher 24 Beiträge umfasste.

Die Halbfinalrunden fanden am 20. und am 22. Mai, das Finale am 24. Mai statt. Zu den Gastgebern gehörte ?eljko Joksimović, der als Interpret 2004 für Serbien-Montenegro und als Autor 2006 für Bosnien-Herzegowina angetreten war. Auch 2008 war er der Autor des serbischen Beitrags; für die Zukunft wurde diese Doppelfunktion ausgeschlossen, da man einen Interessenkonflikt befürchtete. Österreich pausierte wieder einmal, dafür kamen mit San Marino und Aserbaidschan zwei neue Länder hinzu, sodass mit 43 Beiträgen ein neuer Höchststand erreicht wurde.


An der deutschen Vorentscheidung nahmen fünf Lieder teil, zu den Interpreten gehörte die Gruppe Marquess. Der Siegertitel "Disappear" wurde von den No Angels gesungen, die, ursprünglich zu fünft, 2000 in der Casting-Show 'Popstars' zusammengestellt wurde und mit Liedern wie "Daylight in your eyes" sehr erfolgreich war. Nach einigen Unstimmigkeiten trennte sich die Gruppe 2003, um dann 2007, nunmehr zu viert, einen Neuanfang zu starten. Beim ESC erreichte sie Platz 23.




Erstmals seit 1997 spielten die nationalen Jurys wieder eine Rolle, wenn auch eine kleinere: Sie bewerteten ebenso wie die Zuschauer die Beiträge im Halbfinale; durch das Televoting wurden 9 der Qualifikanten ermittelt. Als letzter Beitrag für das Finale wurde dasjenige von den übriggebliebenen Liedern ermittelt, das von den Jurys die meisten Stimmen bekam. Im ersten Halbfinale stimmten die Zuschauer und die Jurys überein, im zweiten gab es eine Differenz: Nicht das von den Zuschauern auf Platz 10 gesetzte Lied aus Nordmazedonien, sondern deren Platz 12, der Beitrag Schwedens, wurde von den Jurys favorisiert. Dessen Sängerin war Charlotte Perrelli, die unter dem Namen Charlotte Nilsson den ESC 1999 gewonnen hatte und jetzt nur durch diese Sonderregelung das Finale erreichte, wo sie dann Platz 18 belegte. Stimmberechtigt waren übrigens nur die Länder der jeweiligen Halbfinalrunden; die fest für das Finale gesetzten Länder wurden aufgeteilt: In der ersten Runde durften Spanien und Deutschland mit abstimmen, in der zweiten das Vereinigte Königreich, Frankreich und Serbien. Beim Finale durften, wie gehabt, wieder alle Länder werten.

Im ersten Halbfinale schied einer der vielleicht skurrilsten Beiträge der ESC-Geschichte aus: Irland wurde durch einen Truthahn vertreten und forderte in bewusst falschem Französisch "Irelande douze pointe". Die Bitte wurde nicht erhöht, Estland gab mit sieben Punkten die höchste Bewertung, am Ende reichte es nur für Platz 15. Belgien präsentierte wieder, wie 2003, ein Lied in einer fiktiven Sprache, war aber wesentlich weniger erfolgreich als seinerzeit und verpasste ebenfalls das Finale.

Frankreich nahm erstmals mit einem komplett englischsprachigen Lied teil, kam im Finale aber über Platz 19 nicht hinaus; für Kroatien sang der bis dahin älteste Interpret der ESC-Geschichte, der sich in Anspielung auf sein Alter '75 Cent' nannte; dieser Beitrag belegte Platz 21.

Wieder blieb ein Fanfavorit hinter den Erwartungen zurück: In den Internetwetten lag der portugiesische Beitrag "Senhora do mar (Negras águas)", gesungen von Vânia Fernandes, weit vorn, am Ende belegte er Platz 13.



Immer wieder wurden optisch ungewöhnliche Mittel ausprobiert, um die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu erregen. Beim Beitrag aus Bosnien-Herzegowina wurde Wäsche aufgehängt, außerdem traten vier Bräute auf - Platz 10 ist das Ergebnis.



Für Armenien kam Sirusho mit dem Lied "Qele, qele" auf Platz 4.



Auf den ersten drei Plätzen landeten drei Länder, die auch schon in den Vorjahren erfolgreich waren: Auf Platz 3 kam Griechenland, auf Platz 2 die Ukraine und auf Platz 1 Russland. Dessen Interpret Dima Bilan hatte schon zwei Jahre zuvor Platz 2 belegt, diesmal setzte er auf prominente Unterstützung: Als Produzent konnte er Timbaland gewinnen, und auf der Bühne wurde er von dem Eiskunstlauf-Meister Evgeni Plushenko und dem Star-Violinisten Edvin Marton, der eine Stradivari-Geige spielte, begleitet. Diese geballte Zusammenarbeit funktionierte offenbar: Mit "Believe" gewann Russland erstmals den ESC.

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2007
Der ESC 2007 fand am 10.5. (Halbfinale) und am 12.5. (Finale) in Helsinki, Finnland, statt. Monaco, das dreimal in Folge im Halbfinale gescheitert war, blieb dem Wettbewerb wieder fern, dafür kehrten Österreich und Ungarn nach jeweils einjähriger Pause zurück; Tschechien, Georgien und nach der Auflösung des Landes Serbien und Montenegro als separate Staaten nahmen erstmals teil, wodurch sich die Anzahl der Teilnehmer auf 42 erhöhte.

In Deutschland nahmen, wie im Vorjahr, nur drei Lieder an der Vorentscheidung teil, zu den Interpreten gehörte Heinz Rudolf Kunze. Roger Cicero konnte mit „Frauen regier‘n die Welt“ gewinnen; seine Art, Swing mit deutschen Texten zu kombinieren, war ungewöhnlich, er war im Jahr zuvor mit „Zieh die Schuh aus“ einem größeren Publikum bekannt geworden. Beim ESC sang er die letzten Zeilen des Liedes auf Englisch; das Lied belegte Platz 19.



An der Halbfinalrunde nahmen 28 Lieder teil, von denen sich nur zehn, also ein gutes Drittel, für das Finale qualifizierte. Zur Überraschung vieler Beobachter scheiterte die Schweiz, und zwar mit Platz 20 sogar recht deutlich. „Vampires are alive“ wurde von DJ Bobo interpretiert, dieser war insbesondere in den 1990ern mit Liedern wie „Pray“ oder „Somebody dance with me“ sehr erfolgreich.



Auch ein französischsprachiges Lied aus Zypern, katalanischer Rock aus Andorra und eine Transvestienummer aus Dänemark schieden im Halbfinale aus. Im Finale überraschte die Ukraine; die Kunstfigur Verka Serduchka, hinter der sich der Komödiant Andrij Danylko verbirgt, präsentierte einen weitgehend sinnlosen Text (in dem auch einige deutsche Wörter vorkamen) zu schrillen Kostümen und aufpeitschender Musik. Dem Publikum gefiel es, „Dancing lasha tumbai“ belegte Platz 2. Die Worte ‚Lasha tumbai‘ sollen nach Angaben des Sängers aus dem Mongolischen stammen, tatsächlich ist die akustische Ähnlichkeit zu ‚Russia goodbye‘ nicht zufällig.



Russland belegte einen Platz dahinter; die Gruppe Serebro kam mit „Song #1“ also auf Platz 3.



Bulgarien erreichte erstmals das Finale und war dort mit Platz 5 erfolgreich; Elitsa Todorova und Stoyan Yankoulov sangen und trommelten „Water“.



Die Türkei und Griechenland, beide schon in den Vorjahren erfolgreich, waren die einzigen beiden ‚traditionellen‘ Länder, die sich unter den ersten 16 platzieren konnten, alle anderen Nationen in dieser Gruppe waren entweder ehemalige Ostblockländer oder Nachfolgerepubliken Jugoslawiens. Dies löste in den ‚alten‘ ESC-Ländern einige Diskussionen aus, die Rede war von Punkteschiebereien und Diasporawertungen. Die EBU sah sich veranlasst, diesen Vorwürfen nachzugehen.

Für die besagte Türkei sang der nationale Star Kenan Doğulu; mit „Shake it up şekerim“ belegte er Platz 4.



Lettland überraschte, als die Tenöre der Gruppe Bonaparti.lv ihr Lied „Questa notte“ auf Italienisch vortrugen. Sie belegten Platz 16.



Ebenfalls außergewöhnlich war der rumänische Beitrag „Liubi, liubi, I love you“, der von Todomondo in sechs Sprachen gesungen wurde. Platz 13 war das Ergebnis.



Bei all dieser musikalischen Vielfalt verwundert es nicht, dass eine Ballade den Sieg erringen konnte. „Motitva“, gesungen von Marija Šerifović, handelte, auch wenn das nicht explizit ausgesprochen wurde, von einer lesbischen Beziehung. Der Titel war as Lied Serbiens, das damit in der Geschichte des ESC das erste Land war, das gleich mit seinem ersten Beitrag gewinnen konnte; selbst 1956 war das beim allerersten Wettbewerb nicht gelungen, damals trat jeder Teilnehmer mit zwei Liedern an, und der Siegertitel war der zweite, der für die Schweiz startete. Außerdem war es seit der Sprachfreigabe 1999 das erste Mal, dass ein Gewinner komplett nicht auf Englisch gesungen wurde.

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2006
Der ESC 2006 fand am 18. und 20. Mai in Griechenland statt; Austragungsort war Athen. Einer der Gastgeber war Sakis Rouvas, der 2004 für das Land gesungen hatte. Österreich und Ungarn verzichteten auf eine Teilnahme, Armenien war erstmals dabei. Zu den Gästen, die auf der Bühne begrüßt wurden, gehörte Nana Mouskouri; die Griechin hatte beim ESC 1963 Luxemburg vertreten.

Deutschland veranstaltete eine Vorentscheidung mit nur drei Teilnehmern, darunter Vicky Leandros, die 1967 und 1972 für Luxemburg angetreten war und 1972 den Wettbewerb gewinnen konnte. Der Siegertitel „No, no, never“ wurde von der Gruppe Texas Lightning gesungen; zu ihr gehörten u.a. die Comedians Olli Dittrich und Jon Flemming Olsen sowie die Sängerin Jane Comerford. Das Lied wurde ein großer kommerzieller Erfolg, er belegte mehrere Wochen lang Platz 1 der deutschen Verkaufslisten und war dort über ein Jahr vertreten; beim ESC kam es aber nur auf Platz 14.



Zu einem Eklat kam es bei der Vorentscheidung in Serbien-Montenegro: Die Gruppe „No Name“ hatte dort gewonnen, was aber große Teile des Publikums wegen offensichtlicher Manipulationen nicht akzeptieren wollten; die Interpreten wurden an der nochmaligen Aufführung ihres Liedes gehindert, das Land sagte daraufhin die Teilnahme am ESC ganz ab, war aber aufgrund einer Ausnahmeregelung trotzdem stimmberechtigt. Montenegro erklärte wenige Wochen später seine Unabhängigkeit, das Land brach also auseinander. Für Aufregungen anderer Art sorgte der Beitrag Islands: Er wurde von Silvia Nótt (die sich beim ESC Silvia Night nannte) gesungen, einer Kunstfigur, die in ihrer Heimat durch eine Comedy-Sendung sehr populär war. Hier verkörperte sie eine hoffnungsvolle Künstlerin, die immer wieder scheiterte, und die durch ihre selbstverliebte und arrogante Art auffiel. Diese Fernsehauftritte waren aber außerhalb Islands nicht bekannt, und Ágústa Eva Erlendsdóttir verkörperte die Figur Silvia Night offenbar so glaubhaft, dass man sie für echt hielt. Es kam zu lauten Unmutsäußerungen, und „Congratulations“ (in dem sogar ein Telefonat mit Gott enthalten war) scheiterte bereits im Halbfinale.



Auch die populäre Sängerin Kate Ryan, die in den Vorjahren mit Liedern wie „Désenchantée“ erfolgreich war und für Belgien antrat, erreichte das Finale nicht. Auch andere international bekannte Künstler schnitten schlecht ab: Arsenium, der als Sänger von O-Zone 2004 „Dragostea din tei“ gesungen hatte, kam für Moldau auf Platz 20, einen Rang dahinter belegten Las Ketchup („Aserejé/ Ketchup Song“) für Spanien.

Für Schweden sang zum dritten Mal Carola; nach Platz 3 1983 und Platz 1 1991 belegte sie diesmal mit „Invincible“ Platz 5.



Mihai Trăistariu gelang mit „Tornerò“ in einigen Mittelmeerländern ein Sommerhit; beim ESC belegte er für Rumänien Platz 4.



Für Russland belegte Dima Bilan mit „Never let you go“ Platz 2.



„Lejla“, gesungen von Hari Mata Hari, kam auf Platz 3, das war das bis dahin beste Ergebnis für Bosnien-Herzegowina.



Für die Schweiz trat eine Gruppe an, die aus sechs Einzelinterpreten aus sechs verschiedenen Ländern bestand, und für Lettland nahm erstmals ein Lied im a-cappella-Verfahren, also ohne instrumentale Begleitung, teil; die beiden Beiträge teilten sich Platz 16. Litauen verkündete in seinem Liedertitel selbstbewusst „We are the winners“ - es reichte immerhin für Platz 6.

Die Punktevergabe hatte in den beiden Vorjahren wegen der hohen Teilnehmerzahl viel Zeit in Anspruch genommen – zur Erinnerung: Auch die im Halbfinale ausgeschiedenen Länder waren im Finale stimmberechtigt. So entschied man sich, das Verfahren zu verkürzen, indem nur noch die Länder verkündet wurden, die 8, 10 und 12 Punkte bekommen hatten; alle anderen Wertungen wurden nur eingeblendet, aber nicht genannt. Dem niederländischen Sprecher gefiel das offenbar nicht, er verlas, wenn auch sehr schnell, wie bisher alle 10 Punktzahlen. Der Sieg ging erstmals an Finnland; das Land nahm seit 1961 am ESC teil, hatte aber bis dahin noch nie ein Ergebnis unter den ersten 5 Plätzen erzielt. „Hard Rock Hallelujah“ sorgte in den Medien auch deshalb für Aufsehen, weil die Interpreten, die Gruppe Lordi, als Monster verkleidet auftraten.

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Samstag, 22. August 2020
2005
Die Ukraine richtete den ESC 2005 in Kiew aus, das Halbfinale fand am 19.5., das Finale am 21.5. statt. Ungarn war erstmals seit 1998 wieder dabei, außerdem nahmen Moldau und Bulgarien erstmals teil, sodass sich die Anzahl der Beiträge auf 39 erhöhte. Für Aufregung sorgte der Libanon, der sich ordnungsgemäß anmeldete und auch schon einen Beitrag nominierte. Kurz vor dem ESC fiel einem Beobachter allerdings auf, dass auf der libanesischen Homepage der Beitrag Israels nicht erwähnt wurde. Nachfragen ergaben, dass auch keine Möglichkeit bestehen sollte, das israelische Lied zu bewerten, auch von einer Ausstrahlung wolle man absehen; als Grund gab man die entsprechenden Vorschriften in der Verfassung an, nach der die Existenz Israels als Staat negiert wird. Die Spielregeln des ESC besagen allerdings, dass alle Mitbewerber gleich behandelt werden müssen und keinerlei Benachteiligungen geduldet werden. Da der Libanon dies nicht garantieren konnte, zog er seinen Beitrag zurück; wegen der Kurzfristigkeit der Absage waren eine Geldstrafe nicht genannten Ausmaßes und eine mehrjährige Sperre die Folge. Bislang hat weder der Libanon noch ein anderes arabisches Land wieder Interesse an einer Teilnahme gezeigt.

In Deutschland beendete VIVA die Zusammenarbeit mit der ARD, und die Tatsache, dass sich im Vorjahr ein vorher unbekannter Sänger gegen zahlreiche etablierte Künstler durchgesetzt hat, bewirkte, dass sich 2005 nur wenige bekannte Künstler an der Vorentscheidung beteiligten; die im Vorfeld erfolgreichsten von ihnen waren Orange Blue. Zu den Autoren gehörte Udo Lindenberg. Der Siegertitel „Run & hide“ wurde von Gracia Baur gesungen, die an der ersten Staffel der Casting-Show DSDS teilgenommen hatte. Nach der Vorentscheidung stellte sich heraus, dass ihre Plattenfirma die Verkaufszahlen manipuliert hatte; die Folge war, dass der Beitrag aus den Charts gestrichen wurde, das betraf auch den Schweizer Beitrag, der vom selben Team geschrieben wurde. Beim ESC erreichte Gracia den 24. und damit letzten Platz.



Der erwähnte Beitrag der Schweiz schnitt wesentlich besser ab: „Cool vibes“ kam auf Platz 8. Das Lied wurde von der estnischen Gruppe Vanilla Ninja gesungen.



Österreich versuchte es mit einer Mischung aus Volksmusik und Pop, die auch einige spanische Wörter enthielt; das Lied „Y así“, interpretiert von der Gruppe Global Kryner, scheiterte allerdings bereits im Halbfinale.



In der Finalrunde belegten die automatisch qualifizierten „Big Four“ die letzten viel Plätze. Besser erging es da dem Neuling Moldau: Die Gruppe Zdob şi zdub berichtete von einer „Bunica bate doba“, also von einer Großmutter, die auf die Trommel haut, und diese war auf der Bühne auch anwesend – Platz 6 war das Ergebnis.



Zwei Balladen erreichten hohe Platzierungen: Für Malta kam Chiara, die das Land schon 1998 vertreten hatte, mit „Angel“ auf Platz 2, Israel belegte mit „Hasheket shenish‘ar“, gesungen von Shiri Maimon, Platz 4.





Zwischen diesen beiden Ländern landete, quasi als Kontrastprogramm, ein rhythmischer und temporeicher Beitrag aus Rumänien. Der dritte Platz für „Let me try“, gesungen von Luminita Anghel & Sistem, war das bis dahin beste Ergebnis des Landes.



Auch der Siegertitel war für die Tanzfläche geeignet: Mit „My number one“ gewann Griechenland erstmals den ESC. Die Sängerin, Helena Paparizou, war schon 2001 als Teil des Duos Antique für das Land angetreten.

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2004
Der ESC 2004 fand erstmals in der Türkei statt, Austragungsort war Istanbul. Für diesen Wettbewerb wurde ein völlig neues System entwickelt, der verhindern sollte, dass immer mehr Länder aus Relegationsgründen ein Jahr pausieren mussten. Für das Finale am 15. Mai waren die „Big Four“ (Italien pausierte noch immer) und die zehn weiteren bestplatzierten Länder des Vorjahres, also insgesamt 14 Beiträge, qualifiziert, alle anderen Länder mussten zuvor in einem Halbfinale, das am 12. Mai stattfand, gegeneinander antreten – also die 12 schlechter Platzierten des Jahrgangs 2003, die in dem Jahr nicht teilnahmeberechtigten Länder, also Nordmazedonien, Finnland, die Schweiz, Litauen und Dänemark, außerdem die Länder, die erstmals dabei waren, das waren Serbien-Montenegro, Albanien, Belarus und Andorra, sowie eventuelle Rückkehrer aus früheren Jahrgängen, und tatsächlich war Monaco erstmals seit 1979 wieder am Start. So ergab sich ein Halbfinale mit 22 Teilnehmern, von denen sich die besten 10 für das Finale qualifizierten, das somit 24 Teilnehmer hatte.

Andorra sang seinen Beitrag auf Katalanisch, das slowenische Paar ‚Platin‘ nutzte den Aufenthalt in Istanbul, um zu heiraten, und die Schweiz beendete das Halbfinale mit 0 Punkten – sie alle gehörten zu den Ländern, die nicht am Finale teilnahmen.

Auch Deutschland ging einen neuen Weg: Die ARD arbeitete mit dem Musiksender VIVA zusammen, der insgesamt acht Beiträge auswählte und in seinem Sender auch vorstellte. Das Zielpublikum des Senders bewirkte, dass viele aktuell bei jüngeren Zuschauern populäre Künstler wie Scooter, Sabrina Setlur, Laith Al-Deen, Overground oder Wonderwall teilnahmen. Hinzu kam ein Lied, das durch eine ARD-Krimiserie bekannt war, und es gab auch noch die Möglichkeit einer sogenannten Wildcard; Voraussetzung hierfür war, dass sich das Lied zum Zeitpunkt der Vorentscheidung unter den ersten 20 der Verkaufslisten befand. Dies weckte den Ehrgeiz von Stefan Raab, er organisierte in seiner eigenen Sendung ‚TV total‘ auf Pro7 eine Art Casting-Show, aus der Max Mutzke als Sieger hervorging. Sein Lied „Can‘t wait until tonight“ erreichte auf Anhieb Platz 1 der Verkaufslisten und war somit teilnahmeberechtigt an der Vorentscheidung, und es konnte auch diese haushoch gewinnen. Somit waren de facto drei Fernsehsender an der Auswahl des deutschen Beitrags beteiligt. Beim ESC sang Max Mutzke einige Zeilen auf Türkisch, und Stefan Raab, der auch Autor des Liedes war, wirkte als Bühnenmusiker mit. Das Ergebnis war Platz 8.



Serbien-Montenegro, das 1992 noch unter dem Namen Jugoslawien teilgenommen hatte und dann einige Jahre wegen der Kriegshandlungen auf dem Balkan gesperrt war, überraschte im Finale. Neben der neuen Bezeichnung hatte das Land auch eine neue Regierung und durfte wieder am ESC teilnehmen; es meldete sich eindrucksvoll zurück, Željko Joksimović und das Ad-Hoc-Orchestra belegte mit „Lane moje“ Platz 2, das Halbfinale gewannen sie sogar.



Aus dem Land der Gastgeber kamen ungewohnte Klänge; die Gruppe Athena, deren Kopf die Zwillinge Gökhan und Hakan Özoğuz waren (die Cousins der deutschen Politikerin Aydan Özoğuz), war bekannt für ihre Ska-Musik, die sie auch beim ESC präsentierte. „For real“ belegte Platz 4.



Sakis Rouvas war in seiner Heimat Griechenland ein großer Star; beim ESC belegte er mit „Shake it“ Platz 3.



Albanien erlebte so etwas wie die Verwandlung des hässlichen Entleins. Nach der nationalen Vorentscheidung wurde der Beitrag überwiegend belächelt und als chancenlos bezeichnet. Allerdings wurde das Arrangement geändert, und aus dem albanischen Text wurde ein englischer, und plötzlich gewann „The image of you“, gesungen von Anjeza Shahini, immer mehr Anhänger – am Ende reichte es für Platz 7.



Mit einer sehr zurückgenommenen Liebesballade kam Zypern auf Platz 5. Die Sängerin Lisa Andreas wirkte bei „Stronger every minute“ fast zerbrechlich und überzeugte so immer mehr Beobachter.



Bosnien-Herzegowina nahm uns „In the disco“ mit, beim französischen Beitrag überraschte eine Frau auf Stelzen, und wieder scheiterte ein Fan-Favorit: „1 life“, für Belgien gesungen von Xandee, wurde hoch gewettet, belegte aber nur Platz 22.



Bei der Wertung durften alle Teilnehmer, also auch die, die im Halbfinale ausgeschieden waren, abstimmen, was dementsprechend viel Zeit in Anspruch nahm. Am Ende stand die Ukraine bei ihrer erst zweiten Teilnahme als Sieger fest; Ruslana sang und tanzte „Wild dances“.

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