Donnerstag, 13. August 2020
1993
Die EBU hatte gehofft, den ESC 1993 nach dem Ausscheiden Jugoslawiens wieder auf 22 Teilnehmer begrenzen zu können; hierbei hat sie allerdings nicht bedacht, dass sowohl die Nachfolgestaaten Jugoslawiens als auch die Länder der früheren osteuropäischen Intervision jetzt Mitglieder der EBU und damit teilnahmeberechtigt beim ESC waren. Sieben von ihnen meldeten 1993 hierfür Interesse an – das war zu viel für die Kapazität des Wettbewerbs. Als einmalige Übergangslösung wurde für die neuen Aspiranten eine Vorauswahl durchgeführt; diese fand am 3. April im slowenischen Ljubljana statt. Slowenien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Estland, die Slowakei, Ungarn und Rumänien stellten je ein Lied vor, das von jeweils einem vor Ort anwesenden Juror bewertet wurde. Die drei bestplatzierten Länder erhielten die Teilnahmeberechtigung am ESC; es handelte sich um die drei Ex-Jugoslawen Slowenien, Bosnien-Herzegowina und Kroatien; sie eingeschlossen hatte der ESC 1993 25 Beiträge.

Dieser fand am 15. Mai zum vierten Mal in Irland statt, und zwar erstmals in der Kleinstadt Millstreet. Der Grund hierfür war die teilweise Finanzierung durch einen Sponsor, der dafür den Austragungsort bestimmte.

Der MDR verzichtete auf eine Vorentscheidung und wählte den deutschen Beitrag intern aus. Als Interpreten entschied man sich für die Münchener Freiheit, die erfolgreichste deutschsprachige Gruppe der 1980er („Ohne dich (schlaf ich heut‘ Nacht nicht ein“)), sie sang das Lied „Viel zu weit“. Beim internationalen Wettbewerb erreichten sie Platz 18.



Die Schweiz setzte, wie schon 1988, auf eine Sängerin aus Kanada und war wieder erfolgreich: Annie Cotton belegte mit „Moi, tout simplement“ Platz 3.



Sonia hatte ab 1989 insbesondere in ihrer Zusammenarbeit mit dem Produzententeam Stock/ Aitken/ Waterman einige Erfolge wie „You‘ll never stop me loving you“. Beim ESC belegte sie für das Vereinigte Königreich mit „Better the devil you know“ Platz 2.



Für Frankreich sang Patrick Fiori über „Mama Corsica“; das Lied enthielt einige Zeilen auf Korsisch. Er belegte Platz 4.



Für die Niederlande sang Ruth Jacott das Lied „Vrede“. Zu den Chorsängern gehörte ihr damaliger Mann Humphrey Campbell, der das Land im Jahr zuvor als Solist vertreten hatte.



Zu zweifelhaftem Ruhm kam die Interpretin Barbara Dex aus Belgien; sie belegte mit „Iemand als jij“ den 25. und damit letzten Platz. Für Aufsehen sorgte aber weniger ihr Lied als ihre Kleidung; einer meiner Gäste nannte sie damals „Leberwurstkeid mit Gummistiefeln“, was sicher bösartig, aber nicht unzutreffend war. Ein paar Jahre später begannen niederländische Journalisten, regelmäßig den inoffiziellen (und nicht ganz ernst gemeinten) ‚Barbara-Dex-Award“ für das geschmackloseste Bühnenkostüm zu vergeben.



In Spaniens „Hombres“ kam erstmals in der Geschichte des ESC das Wort ‚Sex‘ vor, für Österreich sang, wie schon im Vorjahr, Tony Wegas, und gegen den kroatischen Beitrag „Don‘t ever cry“ gab es Einwände, weil der Refrain komplett auf Englisch gesungen wurde – dieser wurde aber abgewiesen, weil er nur einige Worte umfasste, die mehrfach wiederholt wurden.

Das Nachbarland Bosnien-Herzegowina befand sich gerade im Krieg, was die Delegation im Beitrag „Sja bol svijeta“ („Der Schmerz der ganzen Welt“) verarbeitete. Der vorgesehene eigene Dirigent konnte das Land nicht verlassen, deshalb wurde das Orchester beim von der Gruppe Fazla gesungenen Lied vom Iren Noel Kelehan geleitet.



Auch bei den Wertungen machten sich die Kriegswirren in Bosnien-Herzegowina bemerkbar, die Telefonverbindung war sehr schlecht; dies veranlasste die EBU, die Punkte vom Folgejahr an per Satellit übermitteln zu lassen. Zudem kam die Telefonleitung nach Malta zuerst nicht zustande, die Punktvergabe wurde ans Ende der Wertungen verlegt. Danach stand fest, dass Irland zum fünften Mal insgesamt und zum zweiten Mal hintereinander gewonnen hatte. Den Siegerbeitrag „In your eyes“ sang Niamh Kavanagh.

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1992
Schweden war am 9. Mai 1992 zum dritten Mal Gastgeber des ESC, der erstmals in Malmö ausgetragen wurde. Die Niederlande kehrten zum Wettbewerb zurück, kein Teilnehmer des Vorjahres sagte ab, sodass in diesem Jahr 23 Beiträge antraten; eigentlich war eine Obergrenze von 22 Liedern festgelegt worden, aber die EBU genehmigte ausnahmsweise, wie es hieß, diese höhere Zahl. Hierbei spielte auch eine Rolle, dass Jugoslawien zum 30.6.92 aus der EBU ausgeschlossen wurde, also letztmalig teilnahm. Mehrere Landesteile hatten sich bereits für selbstständig erklärt, de facto nahmen nur noch Montenegro, Serbien und das Kosovo teil. Die EBU befand, dass Rest-Jugoslawien die Schuld am Balkan-Krieg trug und deshalb nicht länger Mitglied der Union sein könne.

Die deutsche Vorentscheidung wurde vom MDR ausgerichtet; dieser ging einen neuen Weg: Nur sechs Lieder wurden vorgestellt, und diese wurden von den damals elf der ARD angeschlossenen Rundfunkanstalten bewertet, jede von ihnen konnte nur einen Punkt vergeben. Unter den Interpreten waren Lena Valaitis, die Deutschland 1981 vertreten hatte, und Bernhard Brink. Der Sieg ging an das Lied „Träume sind für alle da“, gesungen von Wind; die Gruppe vertrat Deutschland somit nach 1985 und 1987 zum dritten Mal, wieder in geänderter Besetzung, zu der diesmal auch Albert Oberloher (zeitweise Ehemann der Sängerin Michelle) gehörte. Beim ESC waren Wind weniger erfolgreich als zuvor, sie belegten Platz 16.



Komponist des deutschen Beitrags war Ralph Siegel, und auch sein Kollege Dieter Bohlen war wieder am Start, er war Autor des Liedes für Österreich. „Zusammen geh‘n“. gesungen von Tony Wegas, erreichte Platz 10; eine leicht veränderte Version, gesungen von den Teilnehmern der ersten DSDS-Staffel, erreichte unter dem Namen „We have a dream“ ungefähr ein Jahrzehnt später Platz 1 der deutschen Verkaufslisten.



Für Italien sang Mia Martini; sie hatte ihr Land schon 1977 vertreten und belegte mit „Rapsodia“ Platz 4. Es war einer ihrer letzten größeren Erfolge, sie verstarb 1995 an Krebs.



Frankreich ging, wie schon in den beiden Vorjahren, auf eine Art musikalischer Reise durch die aktuellen und ehemaligen Gebiete des Landes und machte in diesem Jahr Halt auf Haiti. Kali sang „Monté la riviè“ teils auf Kreolisch und kam auf Platz 8.



Luxemburg präsentierte erstmals seit 1960 wieder ein Lied auf Lëtzebuergisch, für das Vereinige Königreich war der Musicalsänger Michael Ball am Start, und für Spanien sang der Blinde Serafín Zubiri. Griechenland belegte mit „Olou tou kosmou i elpida“, gesungen von Cleopatra, Platz 5.



Nach der Wertungsvergabe stand zum vierten Mal Irland als Sieger fest. „Why me“ wurde von Linda Martin gesungen, der Autor war Johnny Logan. Er hatte den ESC selbst bereits zweimal als Interpret gewonnen. Schon 1984 hatte Linda Martin mit einem von Johnny Logan geschriebenen Lied Platz 2 belegt.

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Mittwoch, 12. August 2020
1991
Am 4. Mai 1991 richtete Italien zum zweiten Mal den ESC aus, und zwar nicht, wie ursprünglich geplant, in Sanremo, sondern in Rom, genau gesagt in der Cinecittà, wohin der Wettbewerb verlegt wurde, wie es heißt, aus Sicherheitsgründen, es war die Zeit des Golfkriegs.

Als Gastgeber begrüßten die beiden bisherigen ESC-Sieger des Landes, Gigliola Cinquetti und Toto Cutugno, das Publikum; sie bewiesen, dass gute Sänger nicht notwendigerweise auch gute Moderatoren sein müssen, aber dazu später mehr.

An der deutschen Vorentscheidung nahmen wieder 10 Lieder teil, und bis auf Cindy Berger waren alle Interpreten weitgehend unbekannt. Cindy war auch die Favoritin des Saalpublikums, das ungehalten reagierte, als ihr Lied „Nie allein“ nur auf Platz 7 landete; der Siegertitel „Dieser Traum darf niemals sterben“, gesungen von der eigens zusammengestellten Gruppe Atlantis 2000, wurde daraufhin ausgebuht. Beim ESC belegte das Lied Platz 18, die Gruppe trennte sich umgehend danach wieder.



Bereits im Vorjahr hatte Malta Interesse bekundet, wieder am Wettbewerb teilzunehmen, was zuletzt 1975 der Fall war; dies wurde allerdings abgelehnt mit der Begründung, mit 22 Liedern sei eine Obergrenze erreicht. 1990 fehlten allerdings die Niederlande, wieder wegen eines nationalen Feiertags, und so war der Weg für Malta frei. „Could it be“, gesungen von Paul Giordimaina und Georgina, erzielte Platz 6, das bis dahin beste Ergebnis des Landes.



Für Spanien sang Sergio Dalma, wegen der äußerlichen Ähnlichkeit von Toto Cutugno als „kleiner Toto“ bezeichnet, das Lied „Bailar pegados“; es belegte Platz 4.



Noch einen Platz besser landete das Lied aus Israel; das Duo Datz sang „Kan“.



Mitglied der norwegischen Gruppe Just4Fun war Hanne Krogh, die 1985 als Hälfte der Bobbysocks den ESC gewonnen hatte, und für Belgien sang die Gruppe Clouseau, die kurz danach mit „Close encounters“ auch international erfolgreich war, beim ESC aber nur Platz 16 belegte. Liebhaber des portugiesischen Fado kennen vielleicht Dulce Pontes; sie vertrat ihr Land beim ESC 1991. Auf dem letzten Platz mit 0 Punkten landete Österreich; der Sänger von „Venedig im Regen“, Thomas Forstner, hatte zwei Jahre zuvor noch Platz 5 belegt.

Jugoslawien zerfiel immer mehr und entschied sich für einen, wie ich finde, sehr skurrilen Beitrag. Eine nicht mehr ganz junge Dame, die sich den schönen Namen Baby Doll gab, pries in „Brazil“ die Vorzüge Lateinamerikas an und umgarnte dabei einen Tänzer, der sicher ihr Sohn hätte sein können. Malta war dieses Lied einen Punkt wert, wodurch zumindest der letzte Platz vermieden wurde.



Die Punktevergabe verlief relativ chaotisch, die Moderatoren hatten teils mangels Sprachkenntnissen, teils, weil sie eher miteinander statt mit den Gesprächspartnern beschäftigt waren, Verständigungsschwierigkeiten, sodass der Oberschiedsrichter Franck Naef deutlich häufiger als sonst einschreiten musste und zeitweise sogar die Gesprächsführung ganz übernahm. Am Ende dieser schweren Geburt lagen zwei Lieder punktgleich vorn, die Beiträge Schwedens und Frankreichs. Anders als 1969 gab es allerdings inzwischen eine Regel für diesen Fall: Die Anzahl der hohen Punktwerte was maßgebend. Beide Lieder erhielten je viermal die 12 Punkte, bei den 10 Punkten gab es aber einen Unterschied: Schweden bekam fünfmal diese Wertung, Frankreich nur zweimal – Schweden war somit zum dritten Mal ESC-Sieger. Die Sängerin des Liedes „Fångad av en stormvind“, Carola, hatte ihr Land schon 1983 vertreten.



Achtung, jetzt werde ich subjektiv und sentimental: Der punktgleiche französische Beitrag, der somit Platz 2 belegte, ist für mich das schönste Lied, das jemals am ESC teilgenommen hat. Die gebürtige Tunesierin Amina beschreibt in „C‘est le dernier qui a parlé qui a raison“ („Wer das letzte Wort hat, hat recht“) die Rolle der Frau in der islamischen Welt. Für mich sind der Vortrag, die Melodie, die Stimme und der Text einfach perfekt – ich liebe dieses Lied. So, und jetzt schalte ich meinen subjektiven Modus wieder aus und überlasse jedem Leser dieser Zeilen sein eigenes Urteil.

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Dienstag, 11. August 2020
1990
Jugoslawien richtete den ESC am 5. Mai 1990 in Zagreb, heute Hauptstadt Kroatiens, aus. Die politischen Umbrüche in Europa, aber auch ganz konkret in Jugoslawien, waren in vollem Gange, und nie haben politische Ereignisse so viel Einfluss auf die ESC-Beiträge gehabt. Für Jugoslawien war es die letzte Möglichkeit, sich international als Einheit darzustellen, schon bald darauf deklarierten einige Teilrepubliken, darunter auch Kroatien, ihre Unabhängigkeit.

Die deutsche Vorentscheidung fand wieder mit 10 Teilnehmern statt, unter den Interpreten waren Jürgen Drews (1976 Mitglied der Les Humphries Singers) und Isabell Varell. Den Siegertitel „Frei zu leben“ schrieben Ralph Siegel und Michael Kunze, er wurde von Chris Kempers und Daniel Kovac gesungen. Sie war überwiegend als Studiosängerin tätig und weitgehend unbekannt, er war als Moderator bei einem privaten TV-Sender recht populär und hatte einen gewissen Bezug zum Gastgeberland, denn er war gebürtiger Jugoslawe, genau gesagt Slowene. Das Duo, das nur für diesen Wettbewerb zusammengefunden hatte, belegte dort Platz 9.



Wenige Monate vor dem ESC 1990 war die Berliner Mauer gefallen, und mit etwas Phantasie konnte man sowohl den deutschen als auch den österreichischen Beitrag darauf beziehen, denn dieser hieß „Keine Mauern mehr“, und auch Finnlands „Fri“ (übrigens auf Schwedisch gesungen) passt dazu. Deutlicher wurde da Norwegens Ketil Stokkan (ja genau, er hatte sein Land schon 1986 vertreten), er besang das „Brandenburger Tor“.



Der Abend begann mit einem kleinen Skandal, der nichts mit der politischen Lage zu tun hatte: Der Dirigent des spanischen Beitrags „Bandido“, Eduardo Leiva, hatte Probleme, das Rhythmusplayback und das Orchester zu koordinieren, worauf die Interpretinnen, die Schwestern Azúcar Moreno, zunächst wütend die Bühne wieder verließen. Sie kamen zurück, der Beitrag wurde dann reibungslos dargeboten, und als Dank gab es 12 Punkte aus Deutschland.



Mehr als 20 Jahre nach seinem bis dahin letzten Beitrag meldete sich Serge Gainsbourg als Autor zurück, erstmals vertrat sein Lied sein Heimatland Frankreich. Die aus Guadeloupe stammende Sängerin Joëlle Ursull brachte karibisches Flair in die Veranstaltung und besang in „White and black blues“ ihre Erlebnisse mit der Rassendiskriminierung. Den Jurys gefiel es, Platz 2 war das Ergebnis.



Für die Niederlande sang das Schwesterpaar Maywood, das in den 1980er Jahren Hits wie „Late at night“ hatte, und Irland besang in „Somewhere in Europe“ die Schönheiten des Kontinents, ohne auf die politische Situation einzugehen.

Das war aber beim Siegertitel der Fall, allerdings ging „Insieme: 1992“ nicht auf den aktuellen Wegfall der Grenzen, sondern auf das Schengener Abkommen, das zwei Jahre später in Kraft treten sollte, ein. Der Sänger und Autor, Toto Cutugno, war durch Lieder wie „L‘Italiano“ schon international bekannt. Es war der zweite Sieg Italiens. Die Chorsänger waren übrigens Mitglieder der Gruppe Pepel en Kri, die 1975 Jugoslawien vertreten hatte.

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Montag, 10. August 2020
1989
1989 richtete die Schweiz zum zweiten Mal den ESC aus, Austragungsort war am 6. Mai Lausanne, zu den Gastgebern gehörte Lolita Morena, die zeitweise Lothar Matthäus‘ Ehefrau war. Zypern nahm wieder teil, sodass wieder 22 Lieder am Start waren.

Das deutsche Fernsehen verzichtete auf eine Radioauswahl, zudem hatte die Vorentscheidung nur noch 10 Teilnehmer, unter ihnen Andreas Martin. Sieger wurde das Lied „Flieger“, gesungen von Nino de Angelo. Dieser hatte 1983 großen Erfolg mit „Jenseits von Eden“, dem zu diesen Zeitpunkt meistverkauften deutschsprachigen Tonträger. Seinen Wettbewerbsbeitrag komponierte Dieter Bohlen; er belegte Platz 14.



Dieter Bohlen und der Texter Joachim Horn-Bernges waren doppelt beim ESC vertreten, denn sie schrieben auch den Beitrag Österreichs. „Nur ein Lied“, gesungen von Thomas Forstner, war deutlich erfolgreicher und belegte Platz 5.



Ein Flamenco mit italienischer Titelzeile – das kann nur der Beitrag Finnlands sein. Anneli Saristo belegte mit „La dolce vita“ Platz 7.



Der türkische Beitrag „Bana bana“, gesungen von Pan, belegte nur Platz 21, fiel aber durch den beeindruckenden Körpereinsatz des Dirigenten Timur Selçuk auf.



Gleich zwei Länder präsentierten sehr junge Interpreten: Nathalie Pâque aus Frankreich war erst 11 Jahre alt, Gili aus Israel 12 Jahre. Da auch in den Vorjahren, wie berichtet, Sänger teilnahmen, die definitiv noch schulpflichtig waren, und es deswegen immer mehr kritische Stimmen gab, beschloss die EBU vom Folgejahr an ein Mindestalter von 16 Jahren. Für die Statistik: Frankreich belegte Platz 8, Israel Platz 12.





Die Schweiz präsentierte ihren bislang einzigen Beitrag auf Rätoromanisch, und die gefürchteten 0 Punkte gingen diesmal nach Island; der Kommentator des deutschen Fernsehens, Thomas Gottschalk, befand, der Sänger Daníel Ágúst Haraldsson erinnere ihn an ein Fischstäbchen. Luxemburg setzte jetzt wieder auf einheimische Musikproduktionen, das Lied „Monsieur“, gesungen von der Gruppe Park Café, belegte Platz 20.

Überraschungssieger des Abends war erstmals Jugoslawien. Mit dem Sieg des Liedes „Rock me“, interpretiert von der Gruppe Riva, hatte wohl auch die Plattenfirma nicht gerechnet, es dauerte lange, bis die Tonträger auch außerhalb des Landes erhältlich waren, und sie stießen auf denkbar geringes Interesse. „Rock me“ gehört zu den kommerziell erfolglosesten ESC-Siegern.

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Sonntag, 9. August 2020
1988
Zum dritten Mal fand der ESC am 30. April 1988 in Dublin statt, und erstmals seit 1979 wurde er wieder von zwei Personen moderiert. Zyperns Beitrag wurde kurz vor dem Wettbewerb wegen Vorveröffentlichung disqualifiziert, sodass 21 Teilnehmer verblieben.

Bei der deutschen Vorentscheidung trat Cindy Berger, die gemeinsam mit ihrem damaligen Mann Bert beim ESC 1974 gesungen hatte, als Solistin an, sie traf u.a. auf Bernhard Brink, Tommy Steiner und G. G. Anderson. Der Siegertitel „Lied für einen Freund“ wurde von Maxi & Chris Garden gesungen, einem Duo aus Mutter und Tochter, das im Vorjahr bereits Platz 2 der Voraussetzung belegt hatte, aber außerhalb des ESC nicht in Erscheinung trat. Meike „Maxi“ war zum Zeitpunkt des Wettbewerbs 13 Jahre alt; das Lied belegte Platz 14.



Der zum Zeitpunkt des ESC bekannteste Künstler war Gérard Lenorman, er vertrat Frankreich mit „Chanteur de charme“ und belegte Platz 10. Er war 1978 mit „La ballade des gens heureux“ international erfolgreich.



Ebenfalls 1978 hatte Scott Fitzgerald, damals im Duett mit Yvonne Keeley, einen Hit mit „If I had words“. 1988 vertrat er solo das Vereinigte Königreich mit „Go“ und belegte Platz 2. Übrigens: Auch Yvonne Keeley nahm einmal am ESC teil, sie war 1972 eine der niederländischen Chorsängerinnen.



Die belgisch-kanadische Sängerin Lara Fabian erreichte mit „Croire“ Platz 4, sie vertrat Luxemburg. International wurde sie vor allem durch „I will love again“ im Jahr 2000 bekannt.



Auch der niederländische Vertreter Gerard Joling hatte seinen größten Erfolg noch vor sich: Mit „No more bolero‘s [sic!]“ erreichte er 1989 die Verkaufslisten in mehreren Ländern. Beim ESC Kam er mit „Shangri-La“ auf Platz 9.



Wieder beendete ein Beitrag den Abend mit 0 Punkten, diesmal betraf es das Lied aus Österreich, und Spanien bewies wieder eindrucksvoll, dass es den Menschen dort nicht möglich ist, zwei Konsonanten am Wortbeginn auszusprechen. Aus Stockholm wird dort Estocolmo, und aus der Slowakei Eslovakia, nicht umsonst heißt das Land in Landesprache España. Vor diesem Hintergrund ist es nur logisch, dass La Década Prodigiosa ihr Lied „Made in Spain“ nannten, aber ‚Made in Espain“ sangen.



Bei der Wertung kristallisierte sich bald ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Vereinigten Königreich und der Schweiz heraus, das bis zum Schluss spannend blieb: Vor der letzten Jury aus Jugoslawien hatte das Vereinigte Königreich 136 Punkte und die Schweiz 131. Als die Schweiz 6 Punkte bekam, lag sie zwar mit einem Punkt in Führung, konnte aber noch überholt werden. Erst das abschließende ‚And finally France 12 points“ brachte die Gewissheit, dass die Schweiz nach 1956 zum zweiten Mal gewann.



„Ne partez pas sans moi“ wurde von der Kanadierin Céline Dion gesungen, die in ihrer Heimat schon ein Kinderstar war und auch im französischsprachigen Raum eine gewisse Popularität hatte, darüber hinaus aber weitgehend unbekannt war – und vorerst auch blieb, der Siegertitel war nirgendwo ein kommerzieller Erfolg. Céline Dion wurde unabhängig vom ESC mit englischsprachigen Liedern bald darauf erfolgreich, „My heart will go on“ aus dem Jahr 1998 zählt zu den meistverkauften Tonträgern der 1990er Jahre weltweit.

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1987
Der ESC 1987 fand am 9. Mai in Brüssel statt. Moderatorin war die Sängerin Viktor Lazlo, die auch durch ihre mehrmaligen Kostümwechsel mit extravaganten Ohrringen auffiel und außer Konkurrenz ihr Lied „Breathless“ vorstellte. Griechenland und Italien kamen zum Wettbewerb zurück, und mit 22 Teilnehmern wurde ein neuer Rekord aufgestellt.

In Deutschland gab es wieder eine Vorauswahl im Radio; neben Bernhard Brink nahmen auch Michael Hoffmann, der mit seinem mittlerweile verstorbenen Bruder Günther zusammen Deutschland 1983 vertreten hatte, und das Duo Rouge, der nach Sandras Weggang verbliebene Rest der Gruppe Arabesque, teil. Den Siegertitel „Lass [Laß] die Sonne in dein Herz“ sangen Wind, die schon 1985 für Deutschland gesungen hatten, allerdings in geänderter Besetzung; statt Rainer Höglmeier war jetzt Andreas Lebbing der Sänger. Außerdem gehörte jetzt auch Rob Pilatus zur Gruppe, wenn auch nur kurzzeitig. Er wurde später als Mitglied von Milli Vanilli berühmt (oder soll ich sagen berüchtigt?). Wieder belegten Wind Platz 2 beim ESC.



Italien setzte wieder einmal auf international bekannte Künstler; Umberto Tozzi und Raf waren normalerweise als Solisten erfolgreich, „Gente di mare“ sangen sie gemeinsam. Fun Fact: Laura Branigan hatte mit Coverversionen beider Sänger („Gloria“ und „Self control“) große Hits. Italien belegte Platz 3.




Der wohl ungewöhnlichste Beitrag des Abends kam aus Israel; die Komiker Avi Kushnir und Natan Datner nannten sich ‚Lazy Bums‘ und sangen, verkleidet als Blues Brothers, „Shir habatlanim“, das Faulenzerlied. Es darf mitgesungen werden: Hupa hule hule hule, hupa hupa hule hule…



Der Belgier Plastic Bertrand, der Ende der 1970er Jahre Hits wie „Ça plane pour moi“ hatte, trat für Luxemburg an, belegte aber nur den vorletzten Platz. Unterboten wurde dies nur von der Türkei, die den Abend mit 0 Punkten beendete. Der schwedische Beitrag „Boogaloo“ sollte eigentlich „Fyra bugg och en Coca Cola“ heißen, was aber wegen des enthaltenen Markennamens untersagt wurde. Jugoslawien erreichte mit „Ja sam za ples“, gesungen von Novi Fosili, Platz 4 und fiel durch die schluckaufartigen Einwürfe auf.



Sieger wurde zum dritten Mal Irland, und zum zweiten Mal war der Sänger Johnny Logan, der bei „Hold me now“ auch Autor war. Es war das erste (und bisher auch einzige) Mal, dass ein Interpret den ESC mehrmals gewann. Viktor Lazlo lobte übrigens auch die optischen Vorzüge des Künstlers.

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1986
Am 3. Mai 1986 wurde der ESC im norwegischen Bergen ausgetragen, und wie im Vorjahr moderierte eine Interpretin den Wettbewerb, die ihr Land 1966 vertreten hatte, nämlich Åse Kleveland. Die Niederlande und Jugoslawien kehrten zurück, dafür fehlten Griechenland und Italien. Erstmals nahm Island teil, nachdem die technischen Voraussetzungen geschaffen waren.

Unter den Teilnehmern an der deutschen Vorentscheidung waren zwei ehemalige Vertreter Deutschlands, nämlich Joy Fleming (1975) und Dschinghis Khan (1979), letztere genau genommen sogar zweimal, denn ein Großteil der Gruppe trat als ‚Dschinghis Khan Family‘ an, während ihr früheres Mitglied Wolfgang Heichel jetzt Teil von ‚That‘s Life‘ war. Erstmals gab es übrigens keine Vorrunden im Radio. Der Sieg ging an Ingrid Peters, die das von Hans Blum (aka Henry Valentino) geschriebene „Über die Brücke geh‘n“ sang. Sie hatte zuvor Erfolg mit Liedern wie „Komm doch mal rüber“, beim ESC belegte sie Platz 8.



Die Türkei landete einen Rang dahinter und belegte so erstmals einen Platz unter den ersten 10. Das Lied „Halley“ handelt von einem Kometen, der damals an der Erde vorbeizog, gesungen wurde es von der Gruppe Klips ve Onlar.



Schweden und Norwegen überraschten mit ihren Kostümen und Choreographien; für Schweden belegten Lasse Holm und Monica Törnell mit „E‘ de‘ det här du kallar kärlek?“ Platz 5, Norwegen kam mit „Romeo“, gesungen von Ketil Stokkan, auf Platz 12.





Erstmals gewann Belgien den ESC; „J‘aime la vie“ wurde von Sandra Kim gesungen. Im Text ihres Liedes gibt sie an, sie sei 15 Jahre alt, tatsächlich war sie erst 13 und damit die jüngste Siegerin aller Zeiten; durch ihr Alter wurde eine Diskussion angestoßen, die dazu führte, dass ab 1990 ein Mindestalter von 16 Jahren für die Interpreten festgelegt wurde.

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1985
Schweden war am 4. Mai 1985 zum zweiten Mal Gastgeber des ESC, Austragungsort war Göteborg. Der Abend wurde von Lill Lindfors moderiert, die 1966 als Interpretin am Wettbewerb teilgenommen hatte. Sie fiel durch ihre entspannte und humorvolle Art auf; zu Beginn der Wertung blieb ihr Kleid scheinbar an einem Pfosten hängen; Lill Lindfors löste das „Problem“, indem sie ein paar Schleifen an ihrem Trickkleid löste und somit wieder vollständig bekleidet war. Ihr lakonischer Kommentar: „Ich wollte Sie nur aufwecken, denn jetzt wird es spannend“.



Auch beim schwedischen Kommentar gab die Moderatorin eine Anmerkung; das Lied hieß „Bra vibrationer“, was bei englischsprachigen Zuschauern zu Missverständnissen führen kann, denn ‚bra‘ bedeutet dort ‚Büstenhalter‘. Diese Leute wurden aufgeklärt, dass der Liedertitel nicht das bedeutete, was sie dachten, sondern „Gute Schwingungen“. Kikki Danielsson, die ihr Land schon 1982 als Teil des Duos Chips vertreten hatte, belegte Platz 3.



Griechenland und Israel kehrten zum ESC zurück, dafür fehlten Jugoslawien und wegen eines Nationalfeiertags die Niederlande. Für Israel sang der Sieger von 1978, Izhar Cohen, das Lied „Olé olé“ und kam diesmal auf Platz 5.



Auch das Ehepaar Al Bano & Romina Power nahm wieder teil, wie schon 1976 vertraten die beiden Italien, und wieder belegten sie den siebten Platz. Mittlerweile waren sie durch Lieder wie „Felicità“ auch international bekannt. Die Chorsängerinnen bei „Magic, oh magic“ waren, wie schon ihre Kolleginnen im Vorjahr, in den italienischen Nationalfarben gekleidet.



Deutschland nutzte wieder das Auswahlverfahren der vergangenen Jahre, allerdings nahmen immer weniger bekannte Künstler teil; der prominenteste Interpret war Bernd Clüver. Hanne Haller gewann die Vorentscheidung mit dem von ihr geschriebenen Lied „Für alle“, für das sie eigens die Gruppe Wind zusammenstellte. Auch beim ESC war der Beitrag erfolgreich, er lag bei den Wertungen lange in Führung, um am Ende Platz 2 zu belegen.



Auch Ralph Siegel war als Komponist erstmals nach seinem Sieg 1982 wieder dabei, diesmal aber nicht für Deutschland, sondern für Luxemburg. Für das Lied „Children, Kinder, enfants“ stellte er eine Gruppe aus sechs Solisten zusammen, die sich keinen gemeinsamen Namen gaben, sondern als Margo, Franck Olivier, Diane Solomon, Ireen Sheer, Chris Roberts & Malcolm Roberts auftraten, was bis heute der längste Interpretenname beim ESC ist. Ireen Sheer hatte schon 1974 für Luxemburg und 1978 für Deutschland gesungen. Das Projekt belegte Platz 13.



Den Sieg erzielte erstmals Norwegen, das bis dahin meist eher erfolglos war, was die Moderatorin eben deshalb sichtlich erfreute. „La det swinge“ wurde vom Duo Bobbysocks vorgetragen, das aus Hanne Krogh und Elisabeth Andreassen bestand. Für beide war es nicht der erste (und auch nicht der letzte) Auftritt beim ESC, aber der einzige gemeinsame. Hanne Krogh hatte schon 1971 als Solistin Norwegen vertreten, während Elisabeth Andreassen 1982 gemeinsam mit der bereits erwähnten Kikki Danielsson das schwedische Duo Chips bildete; die damaligen Kolleginnen traten also 1985 gegeneinander an. In der englischen Version „Let it swing“ wurde das Lied in einigen Ländern ein Achtungserfolg.

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1984
Luxemburg war am 5. Mai 1984 zum vierten Mal Ausrichtungsort des ESC; Désirée Nosbusch war mit 19 Jahren die bis heute jüngste Moderatorin des Wettbewerbs. Allerdings war sie schon seit einigen Jahren populär, schon als Zwölfjährige arbeitete sie bei Radio Luxemburg und wenig später auch für die ARD.

Deutschland blieb beim bewährten Auswahlverfahren, allerdings mit deutlich weniger bekannten Künstlern, der populärste von ihnen war Bernhard Brink – neben Mary Roos natürlich, die die Vorentscheidung gewann und so nach 1972 zum zweiten Mal international am Wettbewerb teilnahm. Ihr Lied „Aufrecht geh‘n“ handelt von den Bemühungen einer Frau, nach einer gescheiterten Beziehung wieder Selbstbewusstsein zu fassen und hatte durchaus autobiographische Züge, denn kurz zuvor zerbrach die Ehe der Künstlerin. Trotz positiver Kritiken erreichte sie beim ESC nur Platz 13.



Für Italien sang Alice, die in den Vorjahren internationale Erfolge wie „Per Elisa“ und „Una notte speciale“ hatte. Ihren Beitrag „I treni di Tozeur“, der von einer Oasenstadt in Tunesien handelt, sang sie im Duett mit dem Autor des Liedes, Franco Battiato. Die drei Chorsängerinnen stellten mit ihren Kleidern die italienische Flagge dar; bei ihrem Solo zitieren sie bruchstückhaft auf Deutsch eine Textzeile aus Mozarts ‚Zauberflöte‘, nämlich „Doch wir wollen ihn dir zeigen und du wirst...“ - die Fortsetzung „… mit Staunen seh‘n, dass er dir sein Herz geweiht“ fehlte, vermutlich aus Zeitmangel. Italien belegte Platz 5.



Der irische Beitrag „Terminal 3“, gesungen von Linda Martin, erreichte Platz 2; geschrieben wurde er vom Siegerinterpreten von 1980, Johnny Logan.



Der türkische Beitrag „Halay“ handelt von einem Tanz und wurde von der Gruppe ‚Beş Yıl Önce, On Yıl Sonra‘ gesungen, was man als eine Art Orakel werten kann, denn der Name bedeutet übersetzt ‚Fünf Jahre zuvor und zehn Jahre später‘, und sowohl 1979 als auch 1994 pausierte die Türkei mehr oder weniger unfreiwillig für jeweils ein Jahr beim ESC.



Der niederländische Beitrag „Ik hou van jou“, gesungen von Maribelle, landete punktgleich mit Deutschland nur auf Platz 13, wurde aber in seiner Heimat ein großer Erfolg; bis heute wurde er von vielen Interpreten gesungen.



Der Sieg ging zum zweiten Mal nach Schweden; die Herrey‘s bestanden aus drei Brüdern, und ihre Titelzeile „Diggi-loo, diggi-ley“ bedeutet in keiner Sprache irgendetwas.

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Samstag, 8. August 2020
1983
Der ESC 1983 fand am 23. April zum zweiten Mal in Deutschland und zum ersten Mal in München statt. Frankreich, Italien und Griechenland kamen zurück zum Wettbewerb, dafür fehlte Irland. Marlène Charell moderierte die Veranstaltung, und zwar durchgehend in drei Sprachen, was zeitweise etwas langwierig wirkte (Der Dirigent, the conductor, le chef d‘orchèstre…), dazu betätigte sie sich beim Pausenact auch noch als Tänzerin. Diese starke Beanspruchung zehrte offenbar ein wenig an ihrem Konzentrationsvermögen, schon bei den Ansagen machte sie Fehler (den norwegischen Dirigenten z.B. nannte sie ‚Johannes Skorgan‘, sein Name war Sigurd Jansen), bei den Wertungen verwechselte sie oft die Sprachen.

Die Auswahl des deutschen Beitrags entsprach der des Vorjahres, an der Vorrunde beteiligte sich skurrilerweise Rosi Mittermaier, an der Vorentscheidung im Fernsehen nahmen u.a. Wencke Myhre (Deutschland 1968), Ingrid Peters, Bernd Clüver und Costa Cordalis teil. Sieger wurde das Lied „Rücksicht“, das von Volker Lechtenbrink getextet und von den Brüdern Hoffmann & Hoffmann gesungen wurde. Diese waren seit Mitte der 1970er mit Liedern wie „Himbeereis zum Frühstück“ erfolgreich; sie erreichten Platz 5 beim ESC. Günther Hoffmann nahm sich wenige Monate später das Leben.



Für Israel belegte der Beitrag „Chai“ Platz 2. Gesungen wurde er von Ofra Haza, die damals international noch eher unbekannt war, einige Jahre später aber mit „Im nin‘alu“ einen weltweiten Erfolg landete.



Jugoslawiens Beitrag „Džuli“, gesungen von Danijel, erreichte mit Platz 4 das bis dahin beste Ergebnis des Landes. Die englische Version „Julie“ entwickelte sich insbesondere in den Discotheken am Mittelmeer zu einem Sommerhit.



Für Schweden sang die damals 16jährige Carola das Lied „Främling“. Sie belegte damals Platz 3, es war der Beginn einer jahrzehntelangen Karriere in ihrer Heimat, auch zum ESC kehrte sie noch mehrfach erfolgreich zurück. Wie es heißt, gefiel dieses Lied dem damals vor Ort anwesenden bayrischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß besonders gut.



Der belgische Beitrag „Rendez-vous“, interpretiert vom Duo Pas de Deux, bestand nur aus der mehrfach wiederholten Textzeile „Rendezvous, aber ich bin am Ende und sage gar nichts mehr“. Dies und auch die Tanzbewegungen kommen uns heute sicher merkwürdig vor, ich gebe aber zu bedenken, dass es die Zeit war, in der New Wave und die Neue Deutsche Welle die Hitparaden dominierten, das Lied also eigentlich hochaktuell war. Allerdings sah man auch hier, dass sich der ESC und die zeitgemäße Musik immer mehr auseinander entwickelten, die Jurys setzten das Lied auf Platz 18.



Hinter dem belgischen Beitrag landeten gleich zwei Lieder, die keinen einzigen Punkt erhielten, was beim (immer noch) aktuellen Wertungssystem selten vorkommt, nämlich die Beiträge aus Spanien und der Türkei. Insbesondere der Türke Cetin Alp geriet nach dem schlechten Ergebnis auch in seiner Heimat stark in die Kritik, von diesem Karriereknick erholte er sich nie. Tragisch: Er verstarb 2004 wenige Tage, bevor der ESC erstmals in der Türkei ausgetragen wurde. Italien nominierte wieder einen bekannten Sänger: Riccardo Fogli hatte kurz zuvor mit „Storie di tutti giorni“ einen internationalen Hit; beim ESC wurde er mit „Per Lucia“ Elfter.

Am Ende der Wertungen, die sich auch aufgrund der linguistischen Talente der Moderatorin länger als gewöhnlich hinzogen, stand Luxemburg überraschenderweise als Sieger fest; es war bereits das fünfte Mal, dass das Land den Wettbewerb gewann. „Si la vie est cadeau“ gefiel nicht allen anwesenden Zuschauern, einige von ihnen verließen nach der Bekanntgabe vorzeitig den Saal, ohne sich das Lied noch einmal anzuhören. Die Sängerin Corinne Hermès äußerte in Interviews im Anschluss an ihren Sieg die Befürchtung, sie könne ein One-Hit-Wonder bleiben. Diese war unbegründet, denn sie war nicht einmal das, der Tonträger war nirgendwo ein nennenswerter Verkaufserfolg.

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1982
Bereits zum siebten Mal fand der ESC am 24. April 1982 im Vereinigten Königreich statt, Austragungsort war diesmal das nordenglische Harrogate. Frankreich zog sich, wie schon im Vorjahr Italien, aus mangelndem Interesse, und auch Griechenland sagte ab, weil die Kultusministerin Melina Mercouri Einspruch gegen den vorgesehenen Beitrag erhob, den sie für ungeeignet hielt.

In Deutschland gab es eine kleine Änderung beim Vorentscheidungsmodus: Zuerst gab es zwei Vorrunden mit je zwölf Teilnehmern, die im Radio ausgestrahlt wurden und aus denen die Beiträge ermittelt wurden, die sich in einer Fernsehsendung zur Wahl stellen durften. Gleich vier ehemalige Teilnehmer waren dabei, nämlich Paola (Schweiz 1969 und 1980), Séverine (Monaco 1971), Mary Roos (Deutschland 1972) und Jürgen Marcus (Luxemburg 1976), hinzu kam wieder einmal Marianne Rosenberg. Der Sieg ging an das Lied „Ein bisschen [damalige Schreibweise ‚bißchen‘] Frieden“, gesungen von der damals 17jährigen Nicole, die im Vorjahr erstmals mit „Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund“ auf sich aufmerksam machte. Sie konnte auch den internationalen Wettbewerb gewinnen, mehr dazu später.

1982 nahmen auffällig viele Interpreten mit kurzen Namen und auch kurze Liedertitel teil, so kamen die spanische Sängerin und ihr Lied zusammen nur auf sieben Buchstaben: Lucía sang „Él“. Dieser Beitrag hatte eine gewisse subtile politische Brisanz, denn er wurde im Stil eines Tangos komponiert. Der Tango ist der Nationaltanz Argentiniens, und dieses Land befand sich gerade mit dem Gastgeber des Wettbewerb, dem Vereinigten Königreich, im Falkland-/Malvinen-Konflikt.



Auch der israelische Beitrag hatte einen kurzen Namen: „Hora“ wurde von Avi Toledano gesungen und fiel auch durch seine Choreographie auf. Platz 2 war das Ergebnis.



Das einzige Lied, das von allen Mitbewerbern Punkte bekam, kam aus Belgien. Stella nahm schon zum dritten Mal am ESC teil, 1970 war sie Mitglied der niederländischen Gruppe Hearts of Soul, und 1977 gehörte sie zu Belgiens Dream Express. Diesmal sang sie „Si tu aimes ma musique“ und erreichte Platz 4.



Der Titel des portugiesischen Beitrags „Bem bom“ bedeutet übersetzt „Sehr gut“, kann im Kontext aber auch als das Ticken einer Uhr gedeutet werden, denn es geht im Lied darum, wie die Zeit vergeht, Die Gruppe Doce belegte Platz 13, das Lied erwies sich viele Jahre später bei Eurovisionspartys noch als Tanzflächenfüller.



Die Wertung verlief, anders als im Vorjahr, eindeutig, schon früh war klar, dass der deutsche Beitrag gewinnen würde, er bekam aus 14 von 17 möglichen Ländern mindestens 8 Punkte und hatte am Ende 61 Punkte Vorsprung auf Platz 2, sodass es im Saal für Heiterkeit sorgte, als Österreich nur einen Punkt vergab. Dass Luxemburg das Lied gar nicht berücksichtigte und daher auch gar nicht erwähnte, fiel naturgemäß nicht auf, hinzu kam, dass das Land schon sehr früh abstimmte. „Ein bisschen Frieden“ traf zu Zeiten des Kalten Krieges offenbar den Nerv der Zeit, und die naiv wirkende Botschaft eines unschuldigen Mädchens war damals wirksamer als aggressive Appelle und stereotype Parolen. Nicole wiederholte ihren Beitrag nach dem Sieg in vier Sprachen und veröffentlichte es sogar in sieben Sprachen und mehreren gemischten Versionen, was ihr zusätzliche Sympathien verschaffte, das Lied wurde international ein großer kommerzieller Erfolg. Nicole wurde einer der umsatzstärksten deutschsprachigen Interpreten der 1980er und 1990er; maßgeblich am Sieg beteiligt war natürlich auch das Autorenteam Ralph Siegel/ Bernd Meinunger, das auch in den vorangegangenen drei Jahren für die deutschen Erfolge verantwortlich war.

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1981
Am 4. April 1981 fand der ESC zum zweiten Mal in Irland statt; Austragungsort war wieder Dublin. Israel kehrte zum Wettbewerb zurück, weswegen sich Marokko wieder zurückzog. Erstmals seit 1976 entsandte Jugoslawien wieder einen Beitrag, und Zypern nahm erstmals teil, dafür blieb Italien dem Contest fern.

Nach den Erfolgen in den Vorjahren blieb Deutschland seinem Vorentscheidungssystem treu, der Sieg ging an das Lied „Johnny Blue“, gesungen von Lena Valaitis. Die gebürtige Litauerin hatte seit etwa einem Jahrzehnt mit Titeln wie „Da kommt José, der Straßenmusikant“ Erfolge. Passend zum damaligen Jahr des Blinden handelte der Beitrag von einem blinden Jungen, der mit seiner Musik seine Umwelt erreicht. Wie im Vorjahr belegte Deutschland Platz 2.



Zum vierten Mal vertraten Peter, Sue & Marc die Schweiz; jeden ihrer Beiträge sangen sie in einer anderen Sprache. 1981 entschieden sie sich für Italienisch; „Io senza te“ wurde auch kommerziell ein Erfolg und kam im Wettbewerb auf Platz 4. Kurz danach trennte sich die Gruppe offiziell, kam aber bei besonderen Gelegenheiten immer wieder einmal zusammen.



Für Luxemburg trat 20 Jahre nach seinem Sieg wieder Jean-Claude Pascal an; sein Lied „C‘est peut-être pas l‘Amérique“ erreichte Platz 11, punktgleich mit dem dänischen Beitrag, gesungen, wie schon 1979, von Tommy Seebach, diesmal im Duett mit Debbie Cameron, die seinerzeit eine seiner Chorsängerinnen war. In „Krøller eller ej“ besangen sie, dass die Hautfarbe oder Aussehen der Menschen völlig egal ist, jeder werde geliebt („Krauses Haar oder nicht, wir lieben unsere Kinder“) - Rassismus war schon damals ein Thema.



Wie schon drei Jahre zuvor gab es einen Beitrag, der den Abend völlig ohne Punkte beenden musste, und wieder betraf es das Lied aus Norwegen, weswegen einige Beobachter analog zum damaligen Abrüstungsabkommen von einer „Doppel-Null-Lösung“ witzelten. Für Überraschungen sorgten die Kostüme der österreichischen Tänzerinnen und ein Reggae aus Finnland; Zyperns Gruppe Island besang beim ersten Auftritt des Landes eine „Monika“ und erreichte Platz 6. Für Zypern startet stets der nicht von der Türkei besetzte griechischsprachige Teil der Insel, weshalb sich einerseits Griechenland und Zypern meist sehr großzügig mit Punkten bedenken, während sich die beiden Länder und die Türkei oft eher ignorieren.



Bei der Punktevergabe kam es nur zu kleinen Problemen; zuerst wollte Österreich, das als erstes abstimmte, die Wertungen in Startreihenfolge und nicht, wie seit dem Vorjahr üblich, in aufsteigender Reihenfolge abgeben, dann verblüffte die jugoslawische Sprecherin, als sie auf die Frage „May I have your votes, please?“ zunächst mit „I don‘t have it“ antwortete. Es stellte sich heraus, dass sich das Vereinigte Königreich, Deutschland, Frankreich und die Schweiz ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Sieg lieferten, vor der vorletzten Punktevergabe lagen drei Lieder punktgleich in Führung, wodurch Erinnerungen an 1969 wach wurden. Am Ende siegte das Vereinigte Königreich mit vier Punkten Vorsprung vor Deutschland; „Making your mind up“ wurde von der eigens für den ESC zusammengestellten Gruppe Bucks Fizz gesungen. Diese hatte in den Folgejahren noch einige weitere Erfolge; das Land gewann zum vierten Mal.

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Freitag, 7. August 2020
1980
Der ESC 1980 geht gleich aufgrund mehrerer Besonderheiten in die Geschichte des Wettbewerbs ein. Israel als Vorjahressieger war auch 1979 schon Ausrichter und bat daher, dass ein anderes Land dies übernehmen könnte, und diesmal sprangen die Niederlande und nicht wie bisher immer das Vereinigte Königreich ein; Austragungsort war, wie 1976, Den Haag. Das Datum der Veranstaltung, der 19. April, war aber ein nationaler Feiertag in Israel, sodass das Land ganz auf eine Teilnahme verzichtete. 1980 ist das bislang einzige Jahr, in dem der Vorjahressieger nicht am Wettbewerb teilnahm, und das bisher letzte, das nicht von diesem ausgerichtet wurde.

Normalerweise meiden die teilnahmeberechtigten arabischen Länder wegen der Anwesenheit Israels den Wettbewerb. Da dieser Hinderungsgrund in diesem Jahr wegfiel, beschloss Marokko, teilzunehmen; es war das erste Mal, dass sich ein afrikanisches Land zum ESC anmeldete. Die im gesamten arabischen Raum immer noch beliebte Samira Bensaïd, die sich mittlerweile Samira Saïd nennt, bekam für ihr Lied „Bitakat hob“ 7 Punkte aus Italien, aber leider keine weiteren, sodass es auf dem vorletzten Platz landete. Israel kehrte 1981 zum ESC zurück, Marokko nahm bislang nicht wieder teil.



Neben Israel fehlte auch Monaco, das erst mehr als 20 Jahre später zum Wettbewerb zurückkehren sollte, dafür war die Türkei wieder dabei.

Deutschland setzte auf das Konzept des Vorjahres, und mit Marianne Rosenberg, Adam & Eve, Roland Kaiser, Stefan Waggershausen und Costa Cordalis nahmen erneut einige namhafte Künstler teil. Wie 10 Jahre zuvor gewann Katja Ebstein die Vorentscheidung, auch damals hatte der ESC in den Niederlanden stattgefunden, und bei ihrer dritten Teilnahme konnte sie wieder das bis dahin beste Ergebnis Deutschlands erzielen, nämlich Platz 2. Noch eine Besonderheit des Jahrgangs: Jedes Lied wurde von einer Person aus dem jeweiligen Land in der Landessprache angekündigt, für den deutschen Beitrag „Theater“ übernahm dies Carolin Reiber; durch ihr rollendes R bekam der Name des Dirigenten Wolfgang Rödelberger einen besonderen Charme.



Die im gesamten deutschsprachigen Raum bekannte Paola („Blue Bayou“) vertrat, wie schon 1969, die Schweiz. Mit „Cinéma“ belegte sie Platz 4.



Die Niederlande als Gastgeber wurden von Maggie MacNeal vertreten; sie nahm bereits 1974 als Teil des Duos Mouth & MacNeal teil. Sie besang nicht die Gastgeberstadt Den Haag, sondern Amsterdam, und belegte Platz 5.



Für Italien sang Alan Sorrenti, damals populär durch „Tu sei l‘unica donna per me“, und Ralph Siegel war als Komponist mit zwei Liedern im Wettbewerb: Er schrieb nicht nur den deutschen, sondern auch den luxemburgischen Beitrag. „Papa Pingouin“ wurde von den Zwillingsschwestern Sophie und Magali gesungen; das Lied wurde 2006 in der Version des Projekts Pigloo erneut ein kommerzieller Erfolg. 1980 erreichte es Platz 9.



Die Türkei setzte auf den nationalen Superstar Ajda Pekkan, und für Belgien startete die Gruppe Télex, die mit ihrer Synthi-Version von „Rock around the clock“ gerade international erfolgreich war. Offenbar war ihre Art von Musik nur bedingt für eine Livedarbietung geeignet, sodass das Lied trotz des Namens „Eurovision“ nur Platz 17 belegte.

Einen Platz davor landete das wohl außergewöhnlichste Lied des Abends: Norwegen wollte in seinem Beitrag „Sámiid ædnan“ auf die Besonderheiten seines nördlichen Landesteils Lappland hinweisen, weshalb ein Angehöriger der dortigen Bevölkerungsgruppe, der Samen, in Landestracht erschien und den typischen Joik-Gesang anstimmte. Die Mischung aus Jazz, Pop und Folklore gefiel den Jurys nur in vier Ländern, die meisten Punkte (nämlich 6) kamen aus Deutschland.



Die Abgabe der Wertungen erfolgte erstmals aufsteigend nach Punkten und nicht mehr in Startreihenfolge, wodurch einerseits die Spannung erhöht wurde und andererseits Unregelmäßigkeiten wie 1976 und 1977, in beiden Jahren musste das Ergebnis nachträglich geändert werden, minimiert werden sollten. Am Ende gewann der irische Beitrag: „What‘s another year“ wurde von Johnny Logan gesungen. Es war der zweite Sieg für das Land.

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Donnerstag, 6. August 2020
1979
Der ESC 1979 fand am 31. März in Jerusalem und damit erstmals geographisch außerhalb Europas statt. Zu den Moderatoren gehörte Yardena Arazi, die 1976 als Mitglied der Gruppe Chocolate, Menta, Mastik den israelischen Beitrag gesungen hatte.

Die Türkei blieb dem Wettbewerb wieder einmal fern, obwohl sie schon ein Lied ermittelt hatte; Grund war diesmal nicht der Zypern-Konflikt, sondern die Intervention einiger arabischer Länder.

Der Südwestfunk gab nach nur einem Jahr die Verantwortung für den deutschen Beitrag ab, die daraufhin auf den Bayrischen Rundfunk überging. Dieser hielt in München eine Vorentscheidung mit zwölf Liedern ab, die von verschiedenen Interpreten gesungen wurden, unter ihnen war Paola, die 1969 die Schweiz vertreten hatte, ebenso wie bekannte Künstler wie Hanne Haller, Ingrid Peters, Truck Stop, Roberto Blanco, Tony Holiday und Bernhard Brink. Der Sieger wurde im TED-System ermittelt, d.h. ausgewählte Zuschauer konnten ihre Stimmen per Telefon abgeben. Dadurch konnte der Sieger noch während der laufenden Sendung bekanntgegeben werden; es handelte sich um das Lied „Dschinghis Khan“, gesungen von der gleichnamigen Gruppe, die erst kurz vor der Sendung zusammengestellt wurde. Bekanntestes Mitglied war Edina Pop, die um 1970 herum als Solistin einige Erfolge hatte. Das Lied wurde von einigen Beobachtern kritisiert; sie waren u.a. der Meinung, dass die Textzeile „Sie trugen Angst und Schrecken in jedes Land“ bei einem deutschen Beitrag in Israel unpassend sei. Deutschland belegte beim ESC einen guten 4. Platz, und „Dschinghis Khan“ ist bis heute das einzige deutschsprachige Lied, das Platz 1 der israelischen Verkaufslisten belegte, sodass die Kritiker bald verstummten. Die Gruppe blieb in den Folgejahren mit Liedern wie „Moskau“ sehr erfolgreich.



Für ihr Heimatland Frankreich sang Anne-Marie David, die den Wettbewerb 1973 für Luxemburg gewonnen hatte. Mit „Je suis l‘enfant soleil“ belegte sie Platz 3.



Die Schweiz wurde zum dritten Mal durch Peter, Sue & Marc vertreten, und für ihren deutschsprachigen Beitrag „Trödler & Co.“ brachten sie als Verstärkung die Komödianten Pfuri, Gorps & Kniri mit. Diese hatten Schwierigkeiten, dem israelischen Zoll zu erklären, dass die mitgebrachten Utensilien wie Gießkannen und Gartenschläuche Musikinstrumente darstellen sollten. Dirigent war übrigens Rolf Zuckowski.



Beim spanischen Beitrag „Su canción“ wurde die Sängerin Betty Missiego von vier Kindern begleitet, den Caramelos, deren Text sich allerdings auf „La, la, la...“ beschränkte, vielleicht als Erinnerung an den Siegertitel 1968. Das Lied erreichte Platz 2.



Für Italien sang die Gruppe Matia Bazar, den (sehr kryptischen) Text des österreichischen Beitrags schrieb André Heller, und Dänemark zeigte mit seinem Lied „Disco Tango“, dass diese beiden Musikrichtungen nicht unvereinbar sind.



Die Wertung verlief sehr spannend, und erst durch die letzte Stimmabgabe wurde Gastgeber Israel zum zweiten Mal zum Sieger. Interessant hierbei ist, dass die entscheidenden Punkte aus Spanien kamen, das bis dahin selbst in Führung gelegen hatte. Das Gewinnerlied „Hallelujah“, gesungen von der Gruppe Milk & Honey und der Sängerin Gali Atari, wurde, anders als sein Vorgänger, ein internationaler Hit und wird von einigen Beobachtern sogar als die Eurovisionshymne schlechthin bezeichnet. Auch dieses Lied erschien international im hebräischen Original erst viel später auf Tonträger, die englische Version erreichte in vielen Ländern die Verkaufslisten.

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Mittwoch, 5. August 2020
1978
Am 22. April 1978 wurde der ESC in Paris ausgetragen. Erstmals wurde er von zwei Personen moderiert, Léon Zitrone war hierbei der erste männliche Gastgeber seit 1956.

In Deutschland gab der Hessische Rundfunk die Verantwortung an den Südwestfunk ab, und dieser entwarf ein neues System zur Ermittlung des Beitrags: Zuerst wurden 15 Lieder im Radio vorgestellt und sowohl von den Hörern als auch von einer Jury bewertet. Die Bestplatzierten sollten dann in einer Fernsehsendung erneut gegeneinander antreten, wo dann wiederum das Publikum und die Jury den Beitrag ermitteln sollten. Die Jury befand allerdings alle eingereichten Lieder als ungeeignet und empfahl, dass Deutschland dem Wettbewerb ganz fernbleiben sollte. Der Südwestfunk teilte diese Ansicht nicht, sagte aber die Fernsehsendung ab und wählte die Abstimmung der Radiohörer als einziges Kriterium. Das Siegerlied „Feuer“ wurde von Ireen Sheer gesungen, die bereits 1974 für Luxemburg angetreten war. Auch ihre damaligen deutschen Mitbewerber Cindy & Bert standen zur Auswahl (sogar mit zwei Liedern), genau wie Peter. Sue & Marc, die 1971 und 1976 für die Schweiz gesungen hatten. Zu den weiteren Kandidaten gehörte Marianne Rosenberg. „Feuer“ belegte beim ESC Platz 6, das beste deutsche Ergebnis seit 1972, was die Einschätzung der Jury relativiert.



Als großer Favorit des Abends galt Luxemburg. Das Duo Baccara hatte im Vorjahr mit „Yes Sir, I can boogie“ und „Sorry, I‘m a lady“ großen Erfolg, wegen der Spielregeln mussten sie ihren Beitrag „Parlez-vous français“ allerdings auf Französisch singen, was den beiden Spanierinnen hörbar schwer fiel; vermutlich hätten sie ihre eigene Frage mit „Non“ beantworten müssen. Mit Platz 8 blieb das Lied deutlich hinter den Erwartungen und Hoffnungen zurück.



Die Türkei kehrte nach zweijähriger Abwesenheit zum ESC zurück und nahm erstmals am selben Wettbewerb wie Griechenland teil; sie wurde durch die Gruppe Nazar vertreten, zu der auch die in ihrer Heimat sehr beliebte Sängerin Nilüfer gehörte. Und auch Dänemark, das zuletzt 1966 teilgenommen hatte, war wieder dabei, sodass mit 20 Teilnehmern ein neuer Rekord aufgestellt wurde. An der dänischen Vorentscheidung nahmen die Sieger von 1963 und 2000, Grethe Ingmann und die Olsen-Brüder, teil, das Land wurde allerdings von der Gruppe Mabel vertreten, die insbesondere bei Teenagern sehr beliebt war, weshalb auch die Zeitschrift Bravo ausführlich berichtete. Vielleicht waren die Juroren beim ESC nicht ihre Zielgruppe, „Boom Boom“ belegte nur Platz 16.



1978 zeigte sich, dass sich die aktuell populäre Musik und der ESC auseinander entwickelten, was durchaus im Interesse der Verantwortlichen war; die Landessprachen klangen für weite Teile des Publikums weniger eingängig, und die immer mehr mit synthetischen Instrumenten erzeugten Begleitungen ließen sich mit einem Orchester oft nicht adäquat reproduzieren. Auch im Vereinigten Königreich verlor man das Interesse: Keine bekannten Künstler hatten sich zur Vorentscheidung angemeldet, und beim ESC belegte „Bad old days“, gesungen von CoCo, Platz 11, das bis dahin schlechteste Ergebnis des Landes. Für Italien traten Ricchi e Poveri an, damals noch mit zwei Sängerinnen; sie waren insbesondere in den 1980ern mit Liedern wie „Mamma Maria“ sehr erfolgreich.



Das seit 1975 verwendete Punktesystem sollte u.a. durch die relativ hohe Anzahl an bewerteten Liedern möglichst vermeiden, dass ein Lied völlig leer ausging. 1978 war aber genau das der Fall: „Mil etter mil“, für Norwegen gesungen von Jahn Teigen, beendete den Abend mit 0 Punkten. Das Lied wurde in seiner Heimat trotzdem ein großer Erfolg, und der Sänger trat, teilweise gemeinsam mit seiner Ehefrau Anita Skorgan, die Norwegen im Vorjahr vertreten hatte, noch mehrfach beim ESC an.



Die Wertungen verliefen in diesem Jahr reibungslos und endeten mit einer Überraschung, denn der Sieger kam aus Israel. Dies hatte zur Folge, dass sich das jordanische Fernsehen, das die Sendung ebenfalls übertrug, während der Punktvergabe ausblendete und seinen Zuschauern verkündete, dass Belgien (das mit Platz 2 sein bis dahin bestes Ergebnis erzielte) gewonnen habe. Im Zeitalter vor dem Internet dauerte es vermutlich einige Jahre, bis sie die Wahrheit erfuhren; den Siegertitel „A Ba Ni Bi“ sangen Izhar Cohen und die Gruppe Alpha Beta. Der Titel wird in einer Kindersprache gesungen, bei der jede Silbe beginnend mit dem Konsonanten B wiederholt wird; A Ba Ni Bi bedeutet also „Ani“, und das heißt nichts anderes als „Ich“. Das Gewinnerlied wurde erstmals seit vielen Jahren kein großer kommerzieller Erfolg; zum einen war die Plattenfirma vom Sieg offenbar selbst überrascht, sodass die Schallplatte erst einige Wochen später erschien (und dann auch nur in einer englischen Version; das hebräische Original ist außerhalb Israels erst mit Einführung der CDs herausgekommen), zum anderen, weil es von einigen Rundfunkredakteuren boykottiert wurde; vielleicht hätten sie lieber Baccara als Sieger präsentiert. Dirigentin war, wie schon 1973, Nurit Hirsh, die wieder auch Komponistin war. Es war das einzige Mal, dass das Orchester bei einem Siegertitel von einer Frau geleitet wurde.

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Dienstag, 4. August 2020
1977
Am 7. Mai 1977 fand der ESC zum sechsten Mal im Vereinigten Königreich statt, diesmal im Londoner Stadtteil Wembley. Geplant war er schon fünf Wochen früher, musste aber wegen eines Streiks der Kameraleute verschoben werden.

In den letzten Jahren nahmen immer mehr Länder mit (zumindest zum Teil) englischsprachigen Liedern teil, dies hatte zur Folge, dass auch immer mehr Beiträge kommerziell erfolgreich waren. Dies freute sicher die Künstler und die Plattenfirmen, widersprach aber den Grundsätzen, wegen derer der Wettbewerb ursprünglich ins Leben gerufen wurde. Die EBU reagierte und hob die Sprachfreiheit wieder auf, die Titel mussten also wieder in einer der Landessprachen gesungen werden. Allerdings wurde diese Regeländerung relativ kurzfristig bekannt gegeben, zu diesem Zeitpunkt hatten Deutschland und Belgien bereits englischsprachige Lieder festgelegt und waren beide nicht bereit, dies zu ändern; für diese Länder gab es übergangsweise eine Ausnahmeregelung.

Deutschland hatte in den drei letzten Jahren das Auswahlverfahren mehrfach geändert, die Ergebnisse waren immer schlecht, so beschloss der Hessische Rundfunk im diesem Jahr, den Beitrag direkt zu nominieren. Als Interpreten wählte man das Trio Silver Convention, das in den vergangenen Jahren mit Liedern wie „Fly, Robin, Fly“ weltweit erfolgreich war. Das Lied „Telegram“ schnitt mit Platz 8 deutlich besser ab als seine Vorgänger, konnte den hohen Erwartungen aber nicht entprechen.



Wie im Vorjahr nahmen 18 Länder teil, es gab aber zwei Veränderungen: Schweden meldete sich zurück, dafür fehlte Jugoslawien. Ursprünglich wollte auch Tunesien teilnehmen und bekam auch schon eine Startnummer zugelost, zog seine Meldung dann aber zurück.

Das Vereinigte Königreich veranstaltete, wie auch schon im Vorjahr, eine Vorentscheidung mit mehreren Teilnehmern, Sieger wurde das Lied „Rock Bottom“, gesungen von Lynsey de Paul und Mike Moran, die auch die Autoren waren. Lynsey de Paul war schon 1972 mit „Rock Bottom“ international erfolgreich, Mike Moran war überwiegend als Autor und Produzent tätig. Wieder einmal war Platz 2 das Ergebnis.



Nach dem Klagelied im Vorjahr kamen fröhliche Klänge aus Griechenland: Vier Einzelkünstler namens Pascalis, Marianna, Robert und Bessy taten sich zusammen und erklärten in „Mathema solfege“ eine bestimmte Gesangstechnik. Den Jurys gefiel es, mit Platz 5 erzielte das Land sein bis dahin bestes Ergebnis.



Österreich wählte ein sehr ungewöhnliches Lied: In „Boom boom boomerang“ kritisierten die Schmetterlinge einerseits die unsinnigen Texte einiger Beiträge (Ding-a-dong, Boom bang-a-bang und La, la, la lassen grüßen…) und andererseits die immer stärker werdende Kommerzialisierung. Der Vortrag glich einem Kabarett-Auftritt, die männlichen Gruppenmitglieder trugen Masken am Hinterkopf. Nur wenige Jurys konnten sich hierfür erwärmen, der vorletzte Platz war das Ergebnis.



Die Hearts of Soul, die 1970 die Niederlande vertreten hatten, suchten sich eine männliche Verstärkung und traten als Dream Express für Belgien an. Spaniens Interpret Micky hatte zwei Jahre zuvor mit „Bye bye Fraulein“ bereits einen internationalen Hit, und die im Schweizer Beitrag besungene „Swiss Lady“ war kein menschliches Wesen, sondern ein Alphorn, das auch auf der Bühne zu sehen war. Die Interpreten, die Pepe Lienhard Band, begleiteten Udo Jürgens auf vielen seiner Tourneen.



Monaco landete mit „Une petite française“, gesungen von Michèle Torr, auf Platz 4. Die deutsche Version „Die schönsten Blumen blühen auf dem Land“ wurde von mehreren Interpreten aufgenommen.



Die Wertungen wurden wieder in Startreihenfolge abgegeben, und diesmal gab es gleich mehrere Differenzen, die später korrigiert wurden; gleich bei neun Ländern, also der Hälfte der Starter, änderte sich so die Punktzahl, allerdings immer nur um einen oder zwei Punkte, sodass es keine Änderung in der Reihenfolge gab. Der Siegertitel war somit unangefochten: Frankreich gewann zum fünften Mal den ESC, den Beitrag „L‘oiseau et l‘enfant“ sang Marie Myriam.

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Montag, 3. August 2020
1976
Am 3. April 1976 fand der ESC zum dritten Mal in den Niederlanden statt, Austragungsort war diesmal Den Haag. Erstmals moderierte eine ehemalige Teilnehmerin, nämlich Corry Brokken, die ihr Land dreimal von 1956 bis 1958 vertreten hatte, 1957 gewann sie sogar.

In Deutschland fand wieder eine Vorentscheidung statt, die Entscheidung überließ man aber nicht mehr einer Jury, sondern dem Fernsehpublikum, das per Postkarte abstimmen konnte. Die kandidierenden Lieder wurden in einer Fernsehsendung vorgestellt, und zwar, anders als beim ESC, ohne Publikum und im Vollplayback. Zu den Interpreten gehörten zwei ehemalige internationale Teilnehmer, nämlich Ireen Sheer (Luxemburg 1974) und Piera Martell (Schweiz 1974). Sie trafen u.a. auf Maggie Mae, Nina & Mike, Lena Valaitis, Bruce Low und Tina York. Tony Marshall sang den Siegertitel „Der Star“, der aber wenige Tage später wegen Vorveröffentlichung disqualifiziert werden musste. Stattdessen fuhr das zweitplatzierte „Sing Sang Song“, interpretiert von den Les Humphries Singers, zum ESC; zur Gruppe gehörten Jürgen Drews, der im selben Jahr als Solist mit „Ein Bett im Kornfeld“ seinen Durchbruch hatte, und John Lawton, der später als Sänger der Gruppe Uriah Heep („Free me“) Karriere machte; Les Humphries selbst war der Dirigent. Ihre großen Erfolge hatte die Gruppe in der ersten Hälfte der 1970er; sie durfte aufgrund der Spielregeln beim ESC nur zu sechst auftreten, normalerweise war sie mehr als doppelt so groß. Es war das erste Mal, dass Ralph Siegel als Komponist für Deutschland antrat; Platz 15 war das erneut enttäuschende Ergebnis.



Ein weiteres komplett deutsches Team war für Luxemburg dabei: Jürgen Marcus sang das von Jack White geschriebene „Chansons pour ceux qui s‘aiment“, begleitet wurde er von den Rosy-Singers. In Deutschland war das Lied als „Der Tingler singt für euch alle“ erfolgreich, beim ESC reichte es nur für Platz 14.



Nach dreimaliger Abwesenheit kehrte Österreich zum ESC zurück. Nachdem das Land 1972 mit einem eher unkonventionellen Lied gut abgeschnitten hatte, verließ es den Wettbewerb mit der Begründung, dieser sei zu kommerziell ausgerichtet. 1976 kehrten sie mit einem kommerziell sehr erfolgreichen Lied zurück… versteht das jemand? Ich zumindest nicht. Wieder konnte sich Österreich gut platzieren, „My little world“, gesungen von Waterloo & Robinson, erreichte Rang 5.



Die Schweiz schnitt mit Platz 4 sogar noch besser ab; wie schon 1971 sangen Peter, Sue & Marc, diesmal auf Englisch: „Djambo Djambo“.



Auch der gemeinsame Nachbar Liechtenstein wollte erstmals antreten, sogar ein Lied war schon ausgesucht: „Little Cowboy“ von Biggi Bachmann sollte es sein. Das Fernsehen Liechtensteins gehörte allerdings nicht der EBU an, sodass eine Teilnahme nicht möglich war. Schweden fehlte, nur ein Jahr, nachdem es selbst Ausrichter war, ebenfalls, zu stark waren dort die nationalen Proteste, die sich schon im Vorjahr geäußert hatte. Malta pausierte wieder einmal, diesmal für längere Zeit, und der Zypern-Konflikt schwelte weiter: Griechenland meldete sich zurück, folglich pausierte die Türkei. Man muss kein Griechisch sprechen, um zu verstehen, dass es sich bei „Panagia mou, panagia mou“ um ein Klagelied handelt. Die Sängerin Mariza Koch betrauerte, dass Orangenfelder und Olivenbäume durch Napalm zerstört wurden, und dass nur noch Ruinen übrig seien; folglich bat sie die Mutter Gottes um Hilfe. Im Originaltext nennt sie keinen geographischen Bezug, dieser wird aber spätestens bei der englischen Version klar: Diese heißt „The death of Cyprus“. Die Türkei protestierte folgerichtig gegen die Teilnahme des Liedes, allerdings erfolglos. Griechenland erreichte Platz 13.



Zwei rhythmische französischsprachige Lieder schnitten sehr gut ab: Frankreich erreichte mit „1, 2, 3“, gesungen von Catherine Ferry, Platz 2, gleich dahinter finden wir „Toi, la musique et moi“, für Monaco interpretiert von Mary Cristy.





Für Italien sang das später auch international bekannte Ehepaar Al Bano & Romina Power, und für die Niederlande trat Sandra Reemer, 1972 Teil des Duos Sandra & Andres, als Solistin an.

Die Wertungen wurden wieder in Startreihenfolge durchgegeben und verliefen fast ohne Probleme; lediglich die französische Jury vergaß, ihre 4 Punkte für Jugoslawien zu nennen, sodass das Endergebnis ganz am Ende der Tabelle im Nachhinein korrigiert werden musste: Nicht, wie aus der Anzeigetafel ersichtlich, Jugoslawien, sondern Norwegen belegte den letzten Platz. An der Spitze gab es aber keine Veränderung: das Vereinigte Königreich war mit „Save your kisses for me“, gesungen (und getanzt) von Brotherhood of Man, klarer Sieger. Bis heute ist es mit ca. sechs Millionen verkaufter Tonträger das umsatzstärkste ESC-Lied aller Zeiten; für das Land war es nach vielen guten Ergebnissen der dritte Sieg.

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Sonntag, 2. August 2020
1975
Der ESC 1975 fand am 22. März in Stockholm statt; er wurde begleitet von einigen Protesten. Teile der Bevölkerung fanden, dass der Wettbewerb zu kommerziell geworden sei, und veranstalteten zeitgleich eine (von der übrigen Öffentlichkeit aber wenig wahrgenommene) Gegenveranstaltung. Der Song Contest wurde davon unbeeinflusst trotzdem wie geplant durchgeführt.

Neben Frankreich kehrte auch Malta zurück, und die Türkei nahm erstmals teil. 1974 besetzten türkische Truppen den Nordteil von Zypern, was zu Konflikten mit dem Nachbarn Griechenland führte. Die Folge war, dass die beiden Länder nicht am selben Wettbewerb teilnehmen wollten, Griechenland blieb der Veranstaltung also nur ein Jahr nach seinem Début fern. Trotzdem wurde mit 19 Teilnehmern ein neuer Rekord erreicht.

In Deutschland gab es eine Vorentscheidung mit 15 teils sehr namhaften Interpreten, die je ein Lied vorstellten. Vier der Künstler hatten schon vorher am ESC teilgenommen, nämlich Katja Ebstein (1970/71 Deutschland), Mary Roos (1972 Deutschland), Séverine (1971 Monaco) und Peter Horton (1967 Österreich); hinzu kamen aktuell sehr populäre Sängerinnen und Sänger wie Marianne Rosenberg, Peggy March, Maggie Mae und Jürgen Marcus. Zwei der Wettbewerbstitel erreichten die Top 10 der deutschen Verkaufslisten, nämlich „Ein Lied zieht hinaus in die Welt“ und „Er gehört zu mir“. Der Sieg ging an Joy Fleming und ihr im Philly-Stil gehaltenes „Ein Lied kann eine Brücke sein“, den Text schrieb Michael Holm. Trotz sehr guter Kritiken belegte das Lied beim ESC nur Platz 17; einige Beobachter begründen dies auch mit dem martialisch wirkenden Auftreten des Dirigenten Rainer Pietsch, der auch Komponist des Liedes war. In Stockholm sang Joy Fleming die letzten Zeilen auf Englisch.



Luxemburg setzte wieder auf eine internationale Produktion, die diesmal auch schon große Erfolge beim ESC vorweisen konnte: Die Komponisten, Bill Martin und Phil Coulter, hatten bereits „Puppet on a string“ und „Congratulations“ geschrieben, zu den Werken des Texters Pierre Cour gehörten „Tom Pillibi“ und „L‘amour est bleu“. Gesungen wurde ihr gemeinsames Lied „Toi“ von der Irin Geraldine, Phil Coulters Ehefrau. Sie gestand später, dass sie kein Wort Französisch spricht. Das Ergebnis war Platz 5.



Die Shadows wurden Ende der 1950er als Begleitband für Cliff Richard gegründet; in den Folgejahren hatten sie auch ohne ihn Instrumenalhits wie „Apache“. Am ESC nahmen sie für das Vereinigte Königreich teil, und natürlich wurde ihr Beitrag „Let me be the one“ gesungen, was für die Gruppe eher unüblich war. Sie belegten Platz 2.



1973 wurde das schwedische Duo Nova von drei Sängerinnen begleitet, die sich „The Dolls“ nannten. Diese kamen auch 1975 wieder als Begleitchor zum Einsatz, und zwar gleich viermal: Sie sangen bei den Beiträgen aus der Schweiz, Belgien, Portugal und natürlich Schweden. Die Schweiz wurde von Simone Drexel vertreten, die zwei Jahre zuvor bei einem Talentwettbewerb der Jugendzeitschrift Bravo entdeckt worden war. Belgien präsentierte seinen Beitrag zweisprachig, zunächst auf Flämisch, später auf Englisch. Ungewöhnliche Klänge kamen aus Finnland, der Beitrag „Old man fiddle“ war ein Squaredance. Platz 7 war das Ergebnis, die Interpreten hörten auf den schönen Namen Pihasoittajat.



Malta meldete sich mit „Singing this song“ zurück und nahm erstmals auf Englisch teil. Platz 12 war immerhin besser als der letzte Rang, den das Land 1971 und 1972 belegt hatte; der ging diesmal wieder an einen Debütanten, nämlich an die Türkei. „Seninle bir dakika“, gesungen von Semiha Yankı, wurde national trotzdem ein großer Erfolg.



Das Wertungssystem wurde komplett umgestellt. Die Jurys in den einzelnen Ländern benoteten alle Lieder (außer das eigene) und brachten die Ergebnisse in eine Reihenfolge. Die 10 bestplatzierten Beiträge erhielten 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 10 und 12 Punkte. Die Abfrage wie auch die Punktevergabe erfolgten in Startreihenfolge. Die Moderatorin, Karin Falck, wiederholte alle Punkte auf Englisch und auf Französisch, auch, um der manchmal etwas langsamen Anzeigetafel, etwas Zeit zu verschaffen. Bis auf kleine Aussetzer („Seven – how much is that in french?“) gab es keine Probleme, und so stand am Ende der niederländische Beitrag „Ding-a-dong“ als Sieger fest; das Land hatte damit, wie schon Frankreich und Luxemburg, viermal den Wettbewerb gewonnen. Gesungen wurde das Lied von der Gruppe Teach-In, es war das erste Mal, dass die Startnummer 1 siegen konnte.

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Samstag, 1. August 2020
1974
Luxemburg war schon im Vorjahr Ausrichter des ESC und wollte nicht noch einmal Gastgeber sein, so sprang wieder einmal das Vereinigte Königreich ein. Zum vierten Mal moderierte Katie Boyle den Wettbewerb, der am 6. April 1974 erstmals in Brighton stattfand.

Deutschland verzichtete auf eine öffentliche Vorentscheidung und traf eine interne Auswahl aus drei Interpreten, unter ihnen Jürgen Marcus. Auch das Lied wurde intern bestimmt, zum Ärger der nominierten Cindy & Bert. Diese verzichteten daraufhin, „Die Sommermelodie“ als Single zu veröffentlichen. Sie hatten den richtigen Riecher, ihr Beitrag belegte punktgleich den letzten Platz beim ESC, zeitgleich wurde aber ihr Lied „Spaniens Gitarren“ ein großer Erfolg, sodass dieser Misserfolg beim Publikum schnell vergessen war. Übrigens war Bert der erste männliche Interpret seit 1956, der für Deutschland sang.



Erstmals nahm Griechenland am Wettbewerb teil, Frankreich musste hingegen wegen des Todes von Staatspräsident Georges Pompidou kurzfristig absagen. Dani hatte mit „La vie à vingt-cinq ans“ bereits mit den Proben in Brighton begonnen.

Die Gastgeber setzen auf „Long live love“, das von Olivia Newton-John gesungen wurde; diese hatte mit Liedern wie „Banks of the Ohio“ schon einige Erfolge, ihren großen Durchbruch hatte sie ab 1978 mit den Musikfilmen „Grease“ und „Xanadu“. Sie wuchs in Australien auf, was zur Folge hatte, dass der ESC auch dort, wegen der Zeitverschiebung morgens, verfolgt wurde. So konnte man auch dort miterleben, dass das Lied Platz 4 belegte.



Italien setzte wieder auf die Siegerin von 1964, Gigliola Cinquetti. Sie belegte mit „Si“ Platz 2; dies erfuhren ihre Landsleute aber erst einige Wochen später, weil der ESC dort zeitversetzt ausgestrahlt wurde. Grund hierfür war eine Volksabstimmung, es bestand die Befürchtung, dass ein „Si“, also „Ja“, die Wähler beeinflussen könnte.



Erstmals trat Ralph Siegel beim ESC als Komponist an; sein Lied „Bye bye, I love you“ wurde für Luxemburg von Ireen Sheer gesungen, und zwar trotz des englischen Titels auf Französisch, und das mit hörbarem Akzent. Sie belegte punktgleich mit Olivia Newton-John Platz 4.



Von der im Vorjahr eingeführten Sprachfreiheit machten in diesem Jahr neben den nordischen Ländern auch die Niederlande Gebrauch; das Duo Mouth & MacNeal, durch Lieder wie „Hello-A“ schon international populär, belegte mit „I see a star“ Platz 3.



Für Spanien sang Peret, der 1971 mit „Borriquito“ international erfolgreich war, für Israel die Gruppe Kavelet (die sich in Brighton Poogy nannte“), die aus sieben Personen bestand. Da nur sechs von ihnen auf der Bühne sein durften, fungierte der siebte als Dirigent. Portugal belegte mit „E depois do adeus“, genau wie Norwegen und die Schweiz, punktgleich mit Deutschland den letzten Platz. Das Lied erhielt aber einige Wochen später große Bedeutung, als es im portugiesischen Radio gespielt wurde, was ein Geheimzeichen für den Beginn der sogenannten Nelkenrevolution war. Als Pausenfüller dienten die Wombles, damals populäre Puppen, mit ihren Liedern „Wombling song“ und „Remember you‘re a Womble“.



Die EBU arbeitete an einem neuen Wertungssystem, konnte dieses aber 1974 noch nicht verwirklichen, sodass man behelfsweise wieder auf die Abstimmung zurückgriff, die von 1957 bis 1961 und von 1967 bis 1970 galt, die Jurys vergaben also von ihren Ländern aus jeweils 10 Punkte, die sie beliebig auf die Beiträge verteilen konnten. Glücklicherweise boykottierten diesmal, anders als 1970, die nordischen Länder den Wettbewerb nicht, denn Schweden konnte ihn erstmals gewinnen. ABBA nutzten mit „Waterloo“ alle seitdem eingeführten neuen Regeln aus: Die vierköpfige Gruppe wurde von zwei Musikern begleitet, sie sangen auf Englisch, und ein Großteil der instrumentalen Begleitung wurde als Halbplayback eingespielt. Hinzu setzten sie auch auf optische Effekte: Die beiden Frauen trugen auffällige Kostüme, und auch der Dirigent, Sven-Olof Walldoff, war passend zum Text als Napoleon verkleidet. ABBA konnten auf ihrem Sieg eine weltweite Karriere aufbauen, sie gelten als eine der erfolgreichsten Popgruppen aller Zeiten.

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Freitag, 31. Juli 2020
1973
Luxemburg war am 7. April 1973 zum dritten Mal Ausrichter des ESC, Moderatorin war Helga Guitton, die insbesondere im deutschsprachigen Raum als „Helga von Radio Luxemburg“ vielen Radiohörern bekannt war. Malta fehlte nach zwei Misserfolgen, und auch Österreich blieb dem Wettbewerb fern, da man den kommerziellen Charakter der Veranstaltung missbilligte. Dafür gab es aber einen Neuzugang, nämlich Israel. Wenige Monate nach dem Attentat während der Olympischen Spiele, bei dem viele israelische Sportler und Funktionäre ermordet wurden, bedeutete dies, dass die Sicherheitsvorkehrungen beim ESC sehr hoch waren. Die Fotografen mussten beweisen, dass ihre Kameras funktionstüchtig waren, dem Publikum war es untersagt, zum Applaudieren aufzustehen, damit Scharfschützen sie nicht für Terroristen hielten, und die israelische Sängerin und die Dirigentin trugen kugelsichere Westen. Moment mal… Dirigentin? In den 43 Jahren, in denen es beim ESC ein Liveorchester gab, wurde dieses nur viermal von Frauen geleitet, und gleich zwei dieser Situationen fanden 1973 statt. Nurit Hirsh war auch Komponistin des Liedes „Ey sham“, das von Ilanit gesungen wurde. Es belegte den vierten Platz.



1973 gab es eine Spielregeländerung, auf die die nordischen Länder lange hingearbeitet hatten, und sie waren es auch, die sie in diesem Jahr ausnutzten: Ab sofort war es den Teilnehmern freigestellt, in welcher Sprache sie ihre Beiträge präsentierten; aus Finnland und Schweden waren englischsprachige Lieder zu hören, Norwegen wählte ein Gemisch aus vielen Sprachen, die in einer Art Wechselgesang oft gleichzeitig zu hören waren. Alle drei schnitten damit im Vergleich zu den Vorjahren überdurchschnittlich ab, Schweden belegte Platz 5, Finnland Platz 6 und Norwegen Platz 7. Aus Schweden kam auch die allererste Dirigentin des ESC, Monica Dominique. Auch sie war gleichzeitig Komponistin des Liedes. „You are summer“, in dem die Textzeile „Deine Brüste sind wie Schwalbennester“ vorkommt; ich frage mich, ob das ein Kompliment sein soll?



Alle anderen Teilnehmer traten in einer ihrer Landessprachen auf, so auch Deutschland, auch wenn es für die Dänin Gitte nicht die Muttersprache war. Sie hatte sich mit „Junger Tag“ bei der Vorentscheidung gegen namhafte Mitbewerber wie Cindy & Bert, Michael Holm, Roberto Blanco oder die Vertreterin Belgiens von 1966, Tonia, durchgesetzt. Bei der Veranstaltung sangen alle Interpreten je zwei Lieder; angesichts der bekannten Namen ist es erstaunlich, dass nur Gitte kommerziellen Erfolg hatte. Sie belegte beim ESC Platz 8, was angesichts der guten Vorjahresergebnisse von einigen Beobachtern enttäuscht kommentiert wurde.



Zum zweiten Mal trat Cliff Richard für das Vereinigte Königreich an. Berichte sagen, er sei vor seinem Auftritt so nervös gewesen, dass er Beruhigungsmittel genommen habe, weswegen es Schwierigkeiten gab, ihn rechtzeitig auf die Bühne zu bringen, außerdem habe er aus dem gleichen Grund die Wertungen nicht verfolgt, sondern die Zeit auf der Toilette sitzend verbracht. Auch mit „Power to all our friends“ gelang ihm kein Sieg, diesmal belegte er sogar „nur“ Platz 3.



Karma, Schicksal oder einfach nur Zufall? Wie schon 1968 landete der spanische Beitrag einen Platz vor Cliff Richard, und in diesem Jahr war das Lied weltweit auch kommerziell erfolgreicher: „Eres tú“ hatte insbesondere in Lateinamerika hohe Verkaufszahlen. Interpretiert wurde es von der Gruppe Mocedades.



Eine weitere Änderung der Spielregeln fiel den Zuschauern nicht auf: Ab 1973 wurde den Künstlern das gewährt, was 1972 die New Seekers vergeblich gefordert hatten: Die Instrumente auf der Bühne wurden nicht mehr live gespielt, sondern als Halbplayback dem Liveorchester hinzugefügt; so sollten Schwierigkeiten bei der Koordination und der Synchronisation vermieden werden. Alle Vokalstimmen, also sowohl die der Interpreten als auch die des Chors, mussten aber weiterhin live dargeboten werden. Wichtig war außerdem, dass die eingespielten Instrumente auch tatsächlich auf der Bühne vorhanden waren, man konnte also beispielsweise nicht auf eine Kirchenorgel zurückgreifen.

Zwei der Künstler waren beim ESC 1973 wenig erfolgreich, wurden aber einige Jahre später international bekannt: Patrick Juvet vertat die Schweiz; 1978 hatte er mit Liedern wie „Got a feeling“ im Rahmen der Disco-Welle Erfolg. Anfang der 1980er wurde „Solitaire“ in mehreren Sprachen bekannt, beispielsweise auf Englisch von Laura Branigan oder auf Deutsch („Immer mehr“) von Milva. Das französischsprachige Original wurde 1981 von Martine Clémenceau gesungen, und eben diese vertrat 1973 Frankreich. Der Autor des niederländischen Beitrags, der ebenfalls wenig Erfolg hatte, war Pierre Kartner, der einige Jahre später als Vader Abraham bekannt wurde.

Nach Abgabe der Wertungen stand fest, dass es einen Heimsieg gab: Luxemburg gewann den Wettbewerb mit „Tu te reconnaîtras“, gesungen von Anne-Marie David. Das Lied erhielt 129 der 160 möglichen Stimmen, also mehr als 80%, das ist prozentual der höchste Sieg in der Geschichte des ESC. Es war das vierte Mal, dass Luxemburg den ersten Platz belegte, es hatte damit also mit Frankreich gleichgezogen.

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