Sonntag, 9. August 2020
1985
Schweden war am 4. Mai 1985 zum zweiten Mal Gastgeber des ESC, Austragungsort war Göteborg. Der Abend wurde von Lill Lindfors moderiert, die 1966 als Interpretin am Wettbewerb teilgenommen hatte. Sie fiel durch ihre entspannte und humorvolle Art auf; zu Beginn der Wertung blieb ihr Kleid scheinbar an einem Pfosten hängen; Lill Lindfors löste das "Problem", indem sie ein paar Schleifen an ihrem Trickkleid löste und somit wieder vollständig bekleidet war. Ihr lakonischer Kommentar: "Ich wollte Sie nur aufwecken, denn jetzt wird es spannend".



Auch beim schwedischen Kommentar gab die Moderatorin eine Anmerkung; das Lied hieß "Bra vibrationer", was bei englischsprachigen Zuschauern zu Missverständnissen führen kann, denn "bra" bedeutet dort "Büstenhalter". Diese Leute wurden aufgeklärt, dass der Liedertitel nicht das bedeutete, was sie dachten, sondern "Gute Schwingungen". Kikki Danielsson, die ihr Land schon 1982 als Teil des Duos Chips vertreten hatte, belegte Platz 3.



Griechenland und Israel kehrten zum ESC zurück, dafür fehlten Jugoslawien und wegen eines Nationalfeiertags die Niederlande. Für Israel sang der Sieger von 1978, Izhar Cohen, das Lied "Olé olé" und kam diesmal auf Platz 5.



Auch das Ehepaar Al Bano & Romina Power nahm wieder teil, wie schon 1976 vertraten die beiden Italien, und wieder belegten sie den siebten Platz. Mittlerweile waren sie durch Lieder wie "Felicità" auch international bekannt. Die Chorsängerinnen bei "Magic, oh magic" waren, wie schon ihre Kolleginnen im Vorjahr, in den italienischen Nationalfarben gekleidet.



Deutschland nutzte wieder das Auswahlverfahren der vergangenen Jahre, allerdings nahmen immer weniger bekannte Künstler teil; der prominenteste Interpret war Bernd Clüver. Hanne Haller gewann die Vorentscheidung mit dem von ihr geschriebenen Lied "Für alle", für das sie eigens die Gruppe Wind zusammenstellte. Auch beim ESC war der Beitrag erfolgreich, er lag bei den Wertungen lange in Führung, um am Ende Platz 2 zu belegen.



Auch Ralph Siegel war als Komponist erstmals nach seinem Sieg 1982 wieder dabei, diesmal aber nicht für Deutschland, sondern für Luxemburg. Für das Lied "Children, Kinder, enfants" stellte er eine Gruppe aus sechs Solisten zusammen, die sich keinen gemeinsamen Namen gaben, sondern als Margo, Franck Olivier, Diane Solomon, Ireen Sheer, Chris Roberts & Malcolm Roberts auftraten, was bis heute der längste Interpretenname beim ESC ist. Ireen Sheer hatte schon 1974 für Luxemburg und 1978 für Deutschland gesungen. Das Projekt belegte Platz 13.



Den Sieg erzielte erstmals Norwegen, das bis dahin meist eher erfolglos war, was die Moderatorin eben deshalb sichtlich erfreute. "La det swinge" wurde vom Duo Bobbysocks vorgetragen, das aus Hanne Krogh und Elisabeth Andreassen bestand. Für beide war es nicht der erste (und auch nicht der letzte) Auftritt beim ESC, aber der einzige gemeinsame. Hanne Krogh hatte schon 1971 als Solistin Norwegen vertreten, während Elisabeth Andreassen 1982 gemeinsam mit der bereits erwähnten Kikki Danielsson das schwedische Duo Chips bildete; die damaligen Kolleginnen traten also 1985 gegeneinander an. In der englischen Version "Let it swing" wurde das Lied in einigen Ländern ein Achtungserfolg.

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