Montag, 27. Juli 2020
1969
Spanien richtete den ESC 1969 aus, er fand am 29. März in Madrid statt, und genau das löste in vielen Teilnehmerländern im Vorfeld Diskussionen aus. Soll man in einer rechtsgerichteten Diktatur eine Unterhaltungssendung veranstalten und so dem Regime eine Plattform geben? Lediglich Österreich zog die Konsequenz und blieb dem Wettbewerb fern, sodass noch 16 Länder teilnahmen, so wenige wie zuletzt 1964. Das spanische Fernsehen gab sich alle Mühe, eine künstlerisch wertvolle Sendung zu produzieren, so wurde das Bühnenbild von Salvador Dalí entworfen, und zu einem Einspielfilm über die vier Elemente wurde surreal wirkende Musik gespielt.

Gleich am Anfang startete der jugoslawische Beitrag, der die Höchstnote für einen anbiedernden Text verdient hätte: „Pozdrav svijetu“ enthielt lediglich die auf Kroatisch gesungene Ankündigung, die ganze Welt zu grüßen, und eben diese Grüße, und das in den Sprachen aller Teilnehmer. Die Interpreten wandten einen Trick an: Eigentlich hieß die Gruppe 4M, da aber Gruppen nicht starten durften, nannten sie sich beim ESC Ivan & 3M.



Für Monaco trat der erst 13jährige Knabensopran Jean-Jacques an und besang seine „Maman, Maman“; Ähnlichkeiten zum kurz zuvor erfolgreichen „Mama“ von Heintje waren sicher nicht zufällig. Anders als sein niederländischer Kollege gab Jean-Jacques die Gesangskarriere aber bald auf und wandte sich dem Sport zu. Ein Mindestalter der Interpreten wurde erst 1990 festgelegt.



In Deutschland gab es erstmals seit 1965 wieder eine Vorentscheidung, und erstmals seit 1962 konnten auch populäre und bekannte Interpreten daran teilnehmen. Peggy March, Siw Malmkvist und Rex Gildo, alle in den Vorjahren erfolgreich, sangen je drei Lieder, um dann in einem Finale das jeweils bestbewertete noch einmal vorzutragen. Unbestätigte Gerüchte sagen, dass als vierte Künstlerin Alexandra vorgesehen war, dass diese aber aus gesundheitlichen Gründen absagte. Sie starb wenige Monate später bei einem Verkehrsunfall. Siw Malmkvist konnte die Vorentscheidung mit „Primaballerina“ gewinnen, sie hatte 1960 bereits ihr Heimaltland Schweden vertreten. Beim ESC kam sie auf Platz 9, und in den Verkaufslisten erreichte sie Platz 13; auch die zweitplatzierte Peggy March kam dort mit „Hey (das ist Musik für mich)“ bis Platz 29.



Für die Schweiz sang Paola, und Norwegen wurde zum dritten (und letzten) Mal von Kirsti Sparboe vertreten. Bei ihren drei Einsätzen erhielt sie insgesamt nur 4 Punkte, ging aber immerhin nie leer aus.

Die Wertungsabgabe verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle; am Ende war die Moderatorin Laurita Valenzuela aber ratlos, weil gleich vier Lieder punktgleich in Führung lagen, so bat sie den Oberschiedsrichter Clifford Brown um Hilfe. Dieser erklärte alle vier zu Siegern, weil das Regelwerk einen solchen Fall nicht vorsah.

Spanien gewann somit zum zweiten Mal in Folge, den größten kommerziellen Erfolg hatte Lulu, die damals schon mit Liedern wie „Shout“ oder „I‘m a tiger“ international bekannt war. In Startreihenfolge sind dies die Gewinner:

1. Spanien „Vivo Cantando“ - Salomé



2. Vereinigtes Königreich „Boom bang-a-bang“ - Lulu



3. Niederlande „De troubadour“ - Lenny Kuhr



4. Frankreich „Un jour, un enfant“ - Frida Boccara



Für Frankreich war es der vierte Sieg, für die Niederlande der dritte und für Spanien und das Vereinigte Königreich jeweils der zweite.

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