Sonntag, 19. Juli 2020
1961
1961, genauer gesagt am 18. März, fand der ESC zum zweiten Mal in Frankreich statt. Zum zweiten Mal war Cannes der Austragungsort, zum zweiten Mal wählte man den Palais des Festivals et des Congrès, und zum zweiten Mal war Jacqueline Joubert die Gastgeberin.

Erstmals allerdings nahmen gleich drei Länder am Wettbewerb teil, neben Finnland waren das Spanien, damals eine rechtsgerichtete Diktatur, und das sozialistisch regierte Jugoslawien. In diesem Jahr sollte es aber noch nicht zu politisch motivierten Zwischenfällen kommen.

In Deutschland wurde wieder eine Vorentscheidung veranstaltet; einer der Teilnehmer war Dieter Heckscher, der später als Dieter Thomas Heck Karriere machte. Der Sieg ging an das Lied „Einmal sehen wir uns wieder“, gesungen von Lale Andersen, die 1939 durch ihr „Lili Marleen“ weltbekannt wurde. 1960 hatte sie mit „Ein Schiff wird kommen“ erneut großen Erfolg, und, vermutlich, um dem Gastgeberland die Ehre zu erweisen, sie sang beim ESC einen Refrain auf Französisch, doch das alles half ihr nicht: Mit Rang 13 belegte Deutschland erstmals eine Platzierung außerhalb der ersten zehn.



Noch einen Platz darunter finden wir den schwedischen Beitrag „April, April“. Siw Malmkvist hatte damit die nationale Vorentscheidung gewonnen, musste aber, als das Lied am Ende wiederholte, so sehr lachen, dass sie es nicht fehlerfrei vortragen konnte. Das schwedische Fernsehen fand dies gar nicht lustig und entsandte stattdessen Lill-Babs zum ESC. Mit „Printemps, avril carillonne“ thematisierte übrigens auch Frankreich den April.

Zwei Jahre nach dem ersten weiblichen Duo traten erstmals zwei Herren gemeinsam an. The Allisons vertraten das Vereinigte Königreich; ihr Vorbild waren die Doobie Brothers, aber die Allisons waren nicht miteinander verwandt, und keiner von beiden hieß Allison. Ihr Lied „Are you sure“ wurde in mehreren Ländern ein Verkaufserfolg, und beim ESC gefiel es besonders den Juroren aus Luxemburg und der Schweiz: Aus diesen Ländern bekam es 8 bzw. 7 von jeweils 10 möglichen Stimmen. Am Ende belegte es Platz 2.



Luxemburg wurde bis 1960 immer von einheimischen Produktionen vertreten, meist mit wenig Erfolg. 1961 änderte man die Taktik und ließ auch Autoren und Interpreten aus anderen Ländern zu, man begann mit einem französischen Team. „Nous les amoureux“ wurde direkt, also ohne Vorentscheidung, nominiert; geschrieben wurde es von Jacques Datin und Maurice Viladin, der Sänger war Jean-Claude Pascal. Dieser war überwiegend als Schauspieler populär. Das neue Konzept funktionierte, und so gab es 1961 den ersten luxemburgischen Sieg.

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